Ausstellung  Huldigung an die Beat-Generation im ZKM in Karlsruhe

Jack Kerouacs „Unterwegs“.   Foto: Gerda Meier-Grolman
Jack Kerouacs „Unterwegs“. Foto: Gerda Meier-Grolman © Foto: Gerda Meier-Grolman
Karlsruhe / Burkhard Meier-Grolmann 10.12.2016

Ohne sie hätte es an kalifornischen Küsten keine Hippies gegeben, ohne sie hätten wir auf all die heute wohlgelittenen Poetry-Slammer verzichten müssen, und auch die Rapper gehören hundertprozentig zu ihren Nachfahren. Sie waren es auch, die schon Mitte der fünfziger Jahre die amerikanische Gesellschaft total umgekrempelt haben, indem sie alle denkbaren Tabus gebrochen und auch den letzten noch verbliebenen Kommunistenjägern rund um den schrecklichen Senator Joseph McCarthy den Todesstoß versetzt haben.

Die Kultfiguren dieser Beat- Generation, vorneweg Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William S. Burroughs, sind ja auch nicht gerade bescheiden und kleinlaut aufgetreten. Ginsbergs wieder und wieder skandalträchtiges großartiges Gedicht „Howl“ erreichte als abscheulich gemeines und lästerliches trommelfeuerartiges „Geheul“ wie ein Hurrikan auch den europäischen Kontinent und wirbelte dort sogleich sämtlichen Mief und Muff aus den meist akademisch brav vor sich hinwerkelnden Dichterstuben.

Im Karlsruher Medienzentrum ZKM wird dieser Generation von Beatnicks nun mit mehr als 400 Dokumenten gehuldigt, mit Fotos, Filmen, Textcollagen, Zeichnungen, Bildern und vor allem mit ihren literarischen Ergüssen in Büchern und Zeitschriften. Die Hommage gilt natürlich vor allem dem dank seines Hauptwerks „On the Road“ zum Anführer und Kopf dieser kulturellen Rebellion gekürten Jack Kerouac.

Der hat tatsächlich ganze Generationen von „Unterwegs“-Süchtigen eingesammelt und sie auf seine arg drogenschwangere und abenteuerliche Reise quer durch die USA mitgenommen. Die 36 Meter lange Schriftrolle von „On the Road“, die im ZKM in einer riesigen Vitrine ausgelegt wurde, zeugt von der Wertschätzung, die Kerouac heute immer noch genießt.

Ohne Punkt und Komma

Kein Wunder, dass diese neue revolutionäre Lebensart, die das Hier und Jetzt zum Mittelpunkt des Universums erklärte und die auch noch die kleinste Gefühlsregung  buchstäblich sofort herauskotzen und in Endlos-Textschleifen ohne Punkt und Komma gießen musste, auch in den europäischen Intellektuellen-Kreisen gut ankam, von Paris über Frankfurt und Berlin bis ins marokkanische Tanger.

Und welche interessanten Querverbindungen da gesponnen wurden, ist schon daraus zu ersehen, dass beispielsweise John Lennon ein großer Fan von Jack Kerouac war und dass der Literaturnobelpreisträger dieses Jahres, Bob Dylan, mit den Beatnicks gemeinsame Sache gemacht hat und mit Allen Ginsberg dick befreundet war. Wenn also Ginsberg in seiner Fußnote zu „Howl“ Gammler, Verrückte und überhaupt alles und jeden heilig gesprochen hat, dann darf man es den ZKM-Oberen nicht verübeln, wenn sie jetzt gleich der gesamten Beat-Generation einen Heiligenschein verpassen.

Burkhard Meier-Grolman

Info Die Ausstellung „Beat Generation“ ist bis 30. April 2017 im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, Lorenzstrasse 19 zu sehen. Öffnungszeiten: Mi-Fr 10–18 Uhr; Sa, So 11–18 Uhr;
www.zkm.de