Baden-Baden Heinz Mack: Nur das Licht zählt

Baden-Baden / BURKHARD MEIER-GROLMAN 20.05.2015
Alle Spielarten des Lichts will Zero-Künstler Heinz Mack in seinen Reliefs, Rauminszenierungen und Stelen einfangen. Wie ihm das gelingt, das zeigt jetzt eine Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden.

Eigentlich spricht er nicht so gerne darüber. Aber Mitte der 50er Jahre war der Lichtkünstler Heinz Mack so richtig verzweifelt. Nein, er hatte nicht unbedingt depressive Empfindungen, aber er hatte so eine Art intellektuellen Kurzschluss und er fragte sich, ob es überhaupt noch Sinn mache, mit der Malerei fortzufahren, denn die Zeit des traditionellen Tafelbildes war seiner Überzeugung nach endgültig vorbei.

Was Kandinsky vor dem Ersten Weltkrieg an Malerei leistete, war ein großes Schlüsselerlebnis für Heinz Mack. Dann musste er bald realisieren, dass Kasimir Malewitsch in seiner Abstraktion so weit gegangen war, dass schlussendlich nur noch ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund möglich war und damit schon das Ende der Malerei eingeläutet schien. Dazu kam, dass Piero Manzoni Malewitschs Vorgaben aufgenommen hatte, er wollte auf der Leinwand eigentlich überhaupt keine Farbe mehr sehen.

Lucio Fontana hat dann in seiner Radikalität noch einen draufgesetzt, er hat gar nichts mehr auf der Leinwand gemacht, er hat einfach ein Messer genommen und sie aufgeschlitzt. Von Yves Klein einmal ganz abgesehen, der nur noch monochrome Bildflächen präsentierte. In dieser Lage fragte sich nun Heinz Mack, wie er da weitermachen solle - und so kam das Relief ins Spiel.

Und wie sich diese Reliefs aus der Werkstatt des Zero-Künstlers Heinz Mack innerhalb von gut 60 Jahren von aus ziemlich primitiven Holzlatten gezimmerten Objekten zu heftig spiegelnden und silbern oder gar golden glänzenden höchst artifiziellen Lichtskulpturen mausern konnten, das zeigt jetzt das Museum Frieder Burda auf drei Etagen in Baden-Baden. Das Material ist dem Zero-Künstler Mack gar nicht so wichtig. Wie gesagt, er verwendet für seine Stelen und Reliefs alles, was dazu taugt, das Licht einzufangen.

Egal, ob nun Holzteil, Aluminiumblech, Goldfolie, Edelstahlgitter, Keramikguss, Plexiglasblock, Spanplatte - das Material muss sich unterordnen, es dient ausschließlich nur dem einzigen Zweck, nämlich Lichtfänger zu sein. Das Licht, sagt Heinz Mack, verwandelt auch das banalste Stück Eisenblech augenblicklich in eine flirrende, glitzernde, spiegelnde Fläche, die so immateriell ist, dass sie keinen Rückschluss mehr auf das darunter liegende Material zulässt.

Diesen Eindruck, einem ungewöhnlichen und oft märchenhaft romantisch getönten Lichtspektakel beizuwohnen, kann der Zero-Künstler Mack noch steigern, wenn er zu den Lichtspiegelungen und Lichtreflexionen die Bewegung hinzu holt und zum großen "Rondo" in den Raum geht.

Das ist schon eine imposante Parade von Lichtreliefs, Lichtstelen, Lichtinstallationen und Lichtskulpturen, denen man da im Hause Burda begegnet. Dabei war die Einrichtung dieser Licht-und Reliefshow gewiss nicht einfach und eine Herausforderung, denn sowohl dem Kurator Helmut Friedel wie auch dem Künstler Heinz Mack war bestens bekannt, dass Richard Meiers Museumsbau ja selbst als Gesamtkunstwerk und einprägsame Lichtskulptur gewertet wird. Aber alles ist gut gegangen, die Mack-Schau hat ein ideales Quartier gefunden, und selten hat man den Hausherrn Frieder Burda wie auch seinen 84-jährigen Künstlerfreund Heinz Mack so strahlen sehen.

Deutsche Kunst nach der Stunde Null

Geschichte Zehn Jahre nach Kriegsende sollte es in Sachen Kunst auf bundesdeutschem Boden einen Neuanfang geben. 1958 waren es die Düsseldorfer Künstler Heinz Mack und Otto Piene, die die Künstlergruppe ZERO gründeten. 1961 stieß Günther Uecker dazu. Zero, das hieß Stunde Null, und das hieß auch für die Protagonisten eine Zone der Stille, in der neue Möglichkeiten ausgelotet werden sollten. Unter dem Einfluss von Yves Klein, Piero Manzoni und Lucio Fontana wollte die Zero-Gruppe eine dynamische kinetische Kunst, die Klang, Licht und Bewegung mit einer räumlichen und farblichen Gestaltung in Verbindung bringen sollte. Mack realisierte Lichtskulpturen und bespielte zuweilen auch die Wüste Sahara mit seinen spiegelnden Lichtstelen. Piene choreographierte Lichtballette und inszenierte Lichträume. Uecker versuchte in seinen Nagelreliefs, das Wechselspiel von Licht und Schatten einzufangen.

Renaissance Bis in die 70er Jahre hinein stellte Zero auf Biennalen und auf der documenta aus. Danach wurde es relativ ruhig um die Gruppe. Jetzt erst erfährt Zero eine Renaissance, jede Kunstmesse von Köln bis Basel, Paris und London feiert Zero, und die Auktionshäuser reißen sich um die Arbeiten der Gruppe. Gerade hat das Guggenheim-Museum in New York Zero eine Hommage ausgerichtet, die jetzt im Berliner Gropius-Bau gezeigt wird. Und Heinz Mack, der nun seine Licht-Reliefs im Museum Frieder Burda vorstellt, hat im Herbst auch eine große Ausstellung im Ulmer Museum.

Ausstellung "Heinz Mack Licht Schatten" bis 20. September im Museum Frieder Burda in Baden-Baden, geöffnet Di-So 10-18 Uhr.

 

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