Hamburg Hamburger Sammler Rik Reinking: Mit Kunst die Welt verstehen

Der Sammler Rik Reinking in seinem Hamburger Büro.
Der Sammler Rik Reinking in seinem Hamburger Büro. © Foto: dpa
CAROLA GROSSE-WILDE, DPA 21.07.2016
Sein erstes Kunstwerk kaufte er im Alter von 16 Jahren. Heute zählt Rik Reinkings Sammlung zu den ungewöhnlichsten in Deutschland.

Turnschuhsammler, jüngster Sammler aller Zeiten: Rik Reinking muss lachen, wenn er solche Beschreibungen über sich liest: „Ich konnte damit immer gut leben, weil ich dachte: das erledigt sich ja von alleine“, sagt der heute 40-Jährige und lehnt sich entspannt zurück. Schon 2006 wurde der Hamburger von der Initiative der Bundesregierung „Deutschland – Land der Ideen“, zu Deutschlands „100 Köpfe von morgen“ ausgezeichnet. Als Sammler, der eine der „spannendsten Sammlungen junger zeitgenössischer Kunst in Europa besitzt“. Das lichtdurchflutete Wohnzimmer zeugt von der Leidenschaft seines Besitzers: An der Wand hängen Gemälde des japanischen Künstlers Toshiya Kobayashi, in den Regalen stehen Artefakte aus aller Herren Länder: Mumienmasken aus Präkolumbien, präparierte Vögel oder „Reise-Tötlein“ aus Deutschland, die Menschen früher daran erinnert haben, dass das Leben endlich ist.

Mit 16 Jahren beginnt seine Leidenschaft. Auf dem Schulweg in Oldenburg läuft der junge Mann stets an einem Selbstbildnis des Malers Horst Janssen vorbei. Er interessiert sich für das Bild, der Galerist gewährt eine „großzügige Ratenzahlung“ und so ersteht er das Werk für 250 Mark. Dann stellt er fest: „Mich interessiert nicht so sehr der Dialog zwischen dem Werk und mir, sondern der Dialog zwischen Werken“ – der Beginn seiner Sammlerkarriere. Reinking studiert Jura und Kunstgeschichte in Hamburg und beginnt, Kunst aus den 1960er Jahren zu sammeln: Informel, Fluxus, Minimalismus, Konzeptkunst. Um die Jahrtausendwende begeistert er sich für Street-Art-Künstler wie Os Gêmeos, Mirko Reisser (DAIM) oder Banksy, die er persönlich kennenlernt und deren Werke er kauft, als sie noch erschwinglich sind. Später entdeckt er sein Faible für Artefakte.

Was die Sammlung verbindet?: „Etwas zutiefst Menschliches. Das sind auch die Fragen für mich, warum ich sammle: Was ist Raum, was ist Zeit? Ich habe nie erwartet, dass mir ein Künstler darauf Antworten geben kann, aber ich habe erlebt, dass viele an ähnlichen Fragestellungen arbeiten und dadurch fühlte man sich nicht so allein mit seinen Fragen.“

Das Geheimnis des Erfolges: Rik Reinking kauft, wenn Künstler noch nicht bekannt sind. Oder dann, wenn sie vergessen sind. Mit dem Verkauf einiger seiner Werke könnte Reinking ein Vermögen verdienen, aber er gibt sie selten wieder her: „Jede Arbeit war mir doch einmal so wichtig, dass ich sie besitzen wollte. Sie gehört zu meinem Leben.“

Auch eine Antwort auf die Frage, wie viele Kunstwerke er besitzt, kann der Sammler nicht geben, sie spielt für ihn keine entscheidende Rolle. 2008 dachte Reinking, er hätte mit „TIM“, eine Tätowierung von Wim Delvoye auf dem Rücken des Schweizers Tim Steiner, einen Schlussstein für seine Sammlung erworben, doch dann konnte er doch nicht aufhören: „Weil das nicht geht. Ich kann meine Neugierde nicht ausschalten. Natürlich lebe ich weiter, lerne gerne und bin weiter interessiert.“