Edvard Grieg ist hierzulande vor allem für seine "Lyrischen Stücke", die "Peer Gynt"-Suite und sein Klavierkonzert bekannt, weniger für seine Kammermusik - dabei hat er auf dem Gebiet Außerordentliches geleistet. Die vorliegende Aufnahme seiner drei Violinsonaten, die das Duo Franziska Pietsch (Violine) und Detlev Eisinger (Klavier) beim Label Audite (Vertrieb: Edel) vorgelegt hat, beweist das aufs Eindrücklichste. Die beiden ersten Sonaten in F-Dur und G-Dur hat Grieg in den Jahren 1865 beziehungsweise 1867 relativ kurz hintereinander geschrieben, die berühmtere dritte in c-Moll komponierte er rund 20 Jahre später im Jahr 1886. Sie zeigt ihn auf der Höhe seiner Kunst. Die Interpreten schlagen regelrecht Funken aus den Werken, die sich mit großen Geigensonaten ihrer Zeit messen lassen können. Ja, genauso energetisch-dramatisch, rhythmisch akzentuiert und prononciert muss man diese Stücke spielen, dann offenbaren sie ihre zugleich herben und lyrischen Schönheiten aufs intensivste.

Drei Fragen an. . .

. . . das Duo

Pietsch/Eisinger

Wie haben Sie die Arbeit an der Aufnahme erlebt?
FRANZISKA PIETSCH: Für uns war es ein besonderes Erlebnis, in die verschiedenen Charaktere der drei Sonaten einzutauchen und uns auf eine Reise in die skandinavische Märchenwelt zu begeben. Während die ersten beiden Werke eher die Sprache der norwegischen Volksmusik widerspiegeln, bricht in der dritten Sonate eine Art Urkraft durch, die uns in eine andere Dimension der Musik führt. Aber über allen Sonaten liegt in vielen Farben der faszinierende melancholische Schleier des Nordens.

Welchen Stellenwert nehmen die Violinsonaten in Griegs Schaffen ein?
DETLEV EISINGER: Einen sehr bedeutenden, denn der Komponist selbst hatte eine sehr hohe Meinung von diesen drei Sonaten. Neben den großartigen Stücken der sinfonischen Musik und der Klaviermusik, seiner Cello-Sonate und seinem Streichquartett zählen sie sicher zu seinen spannendsten Werken, wenn auch leider nicht zu seinen bekanntesten.

Wie entwickeln sich Stil und Tonsprache im Lauf der drei Sonaten?
EISINGER: Grieg selbst hat gesagt: "Die Sonaten gehören zu meinen besten Kompositionen und zeigen Abschnitte in meiner Entwicklung: die erste naiv, reich an Vorbildern; die zweite national und die dritte mit einem weiten Horizont." Ab der zweiten Sonate findet er also den ihm eigentümlichen nationalen Ton. In der dritten gelingt es ihm schließlich, sich von allen Beeinflussungen zu lösen und ein Werk zu komponieren, das den stärksten Kontrastreichtum zwischen dramatischen und lyrischen Elementen aufweist.