Pop Granada mit Sommerhits

Ulm / Claudia Reicherter 17.07.2018

„Miad vom Tanzen“ hat das Zeug zum Sommerhit, auch wenn der Text miesepetrig scheint: Der Opener auf Granadas zweitem Album „Ge bitte“ klingt überhaupt nicht müde. Eher wie eine wohldosierte Mischung aus Wanda, Nino aus Wien, Hilde Knef und Falco. Definitiv müde klingt Thomas Petritsch (32), der Sänger der Band, am Tag nach Erscheinen der Platte mit seinem Mix aus spontan-lustvoller Albern- und druckfähiger Geschliffenheit.

Kaum ist „Ge bitte“ erschienen, ist’s schon die Platte der Woche . . ?

Thomas Petritsch: Ja, gell, total witzig. Aber es gibt auch schon den einen oder anderen Verriss.

Puh, Hype-Gefahr gebannt. Granada haben Sie erst 2015 gegründet, davor machten Sie mit Effi englischsprachige Musik. Ist das damit eine Art Casting-Band?

Effi liegt jetzt ein bisschen auf Eis. Wir haben zwei Alben produziert, also ich eigentlich, es war ein Solo-Projekt mit Gastmusikern. Vor drei Jahren bekam ich dann den Auftrag, den Titelsong für den Kinofilm „Planet Ottakring“ im Dialekt zu schreiben. Da ging es aber um Wien, und ich bin ein Steirer. Also hieß es, übertrag’s halt auf Österreich. So entstand Granada. Aber wir sind keine Reiß­brett-Band! Am Anfang war’s eine Interessenvereinigung. Mit der Idee, Spannung zu erzeugen. Und dass es menschlich passt. Das klappt auch ganz gut (kichert).

Ist Wien so anders als Graz?

Ja! Aber man hat immer einen Bezug zur Hauptstadt. Manche lieben’s, manche hassen’s. Wie bei jeder großen Stadt, wie bei den Deutschen der Berlin-Hass.

Singen Sie deshalb „scheiß Berlin“?

Nein, das ist kein Berlin-Bashing, es ist ein ironischer Liebes- oder Bruch-Song, der handelt stärker von Minderwertigkeitskomplexen und gekränktem Ego.

Wie kam’s zum Gin-Lied?

Gin ist unsere Lieblings-Spirituose. Der Text ist ein wenig sinnbefreit, das muss ich zugeben, vor allem am Ende wird’s auf die Spitze getrieben . . .

„Ge bitte“ heißt ja nicht „hau ab“?

Das ist im Dialekt ein Ausruf. Zum Beispiel, wenn dir ein Glas runterfällt. Ähnlich wie „Oh Gott!“. Peinlich wär’s, wenn dir jemand einen Heiratsantrag macht . . .

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