Tragisches Déjà-vu Glasgower Kunsthochschule erneut ausgebrannt

Zum zweiten Mal binnen weniger Jahre ist das historische Gebäude der Kunsthochschule in Glasgow durch einen Großbrand massiv beschädigt worden. Foto: Andrew Milligan/PA Wire
Zum zweiten Mal binnen weniger Jahre ist das historische Gebäude der Kunsthochschule in Glasgow durch einen Großbrand massiv beschädigt worden. Foto: Andrew Milligan/PA Wire © Foto: Andrew Milligan
Glasgow / Von Marc Kalpidis, dpa 17.06.2018

Vom ikonischen Kulturdenkmal zur qualmenden Ruine - Schottland trauert um eines seiner berühmtesten Wahrzeichen: Zum zweiten Mal binnen vier Jahren ist das historische Hauptgebäude der Kunsthochschule Glasgow durch einen Großbrand zerstört worden.

Der schon 2014 vom Feuer verzehrte und anschließend mit Millioneninvestitionen wieder hergerichtete Sandsteinbau ging am Wochenende erneut in Flammen auf. Prominente Schotten reagierten fassungslos, selbst die Regierungschefin rang um Worte.

Das Feuer war aus bisher ungeklärten Gründen in der Nacht zum Samstag ausgebrochen. Obwohl die Feuerwehr mit einer Hundertschaft und Dutzenden Einsatzfahrzeugen anrückte, fraßen sich die Flammen durch alle Stockwerke des Prachtbaus und griffen rasch auf umliegende Gebäude über. Die Decke eines angrenzenden Konzerthauses von historischem Wert stürzte komplett ein. Selbst am Sonntag musste die Feuerwehr noch einzelne Glutnester löschen.

Schon 2014 war das architektonische Herzstück der Kunsthochschule zu großen Teilen niedergebrannt. Ursache war damals ein defekter Projektor. Die Kosten für den Wiederaufbau wurden von der Nachrichtenagentur Press Association auf bis zu 40 Millionen Euro beziffert. Im kommenden Jahr hätten die aufwendigen Arbeiten abgeschlossen werden sollen. Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Mühen der vergangenen Jahre seien nun wohl gänzlich zunichte gemacht.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon zeigte sich zwar erleichtert, dass es keine Verletzten gab. Das Ausmaß der Zerstörung sei aber noch verheerender als vor vier Jahren, sagte sie bei einem Besuch am Unglücksort. Sturgeon sprach von einem „herzzerreißenden Anblick“ und versprach „jegliche Unterstützung, die benötigt wird“. Der Glasgower Parlamentsabgeordnete Paul Sweeney rief zu einem „nationalen Kraftakt“ auf, „um eines der prächtigsten Denkmäler der weltweiten Architekturgeschichte zu retten und wieder aufzubauen“.

Das Hauptgebäude der Hochschule war Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen des schottischen Architekten Charles Rennie Mackintosh (1868-1928) errichtet worden, einem wichtigen Vertreter des Jugendstils. Es gehört zu den bekanntesten Bauwerken des Landes und zieht jährlich Tausende Besucher an.

Vom einstigen Touristenmagneten in Schottlands größter Stadt stehen jetzt nur noch die verrußten Außenmauern. Viele Bewohner Glasgows treibt deshalb die Sorge um, das jüngste Feuer könnte ihrem geliebten Kulturdenkmal endgültig den Garaus gemacht haben. „Ich habe das Feuer 2014 gesehen, und dieses hier ist wesentlich schlimmer“, berichtete der inzwischen als Journalist tätige Absolvent David Pratt. „Ich glaube, das Mackintosh-Gebäude ist am Ende. Völlig am Ende.“

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