Frankfurt/Main Friedenspreisträger: Deutschland braucht Migrationsmuseum

Frankfurt/Main / DPA 12.10.2018

Deutschland sollte nach Ansicht der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Aleida und Jan Assmann, sein kulturelles Gedächtnis erweitern. Es sei „erschütternd“, dass es hierzulande noch kein wirkliches Migrationsmuseum gebe, sagte Aleida Assmann am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. „Deutschland muss sich als Einwanderungsland neu erfinden.“ Bisher gebe es nur lokale Ansätze in diese Richtung.

Die beiden Kulturwissenschaftler nehmen am Sonntag in der Paulskirche die renommierte Auszeichnung entgegen. Der Ägyptologe Jan Assmann (80) und seine Frau Aleida (71) haben sich unter anderem mit der Erinnerungskultur von Gesellschaften beschäftigt - vom alten Ägypten bis zur Gegenwart.

Bei der Erinnerung an die deutsche Vergangenheit darf es nach Meinung der Wissenschaftler auch für künftige Generationen keinen Schlussstrich geben. Jeder könne über die Geschichte seiner Familie auch heute noch etwa mit Hilfe von Briefen persönlich recherchieren. Das Ehepaar hat sich maßgeblich für den Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin eingesetzt.

Der Friedenspreis an die Assmanns sei eine „hochpolitische Entscheidung“, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller. Gerade die Deutschen könnten nach dem „Zivilisationsbruch“ im Zweiten Weltkrieg ohne Erinnerung nicht in Freiheit leben.

Mit dem Friedenspreis werden seit 1950 Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland geehrt. Im vergangenen Jahr erhielt die kanadische Autorin Margaret Atwood die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung.

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel