In über 60 Sprachen wird der Papst am morgigen Ostersonntag seinen Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) sprechen. Fast ebenso viele Varianten hat sein päpstlicher Name auf dem Erdkreis.

Seinen Papstnamen hat sich der Argentinier Jorge Mario Bergoglio zwar selbst ausgesucht, als er den Heiligen Stuhl bestieg: Franciscus nennt er sich seitdem - in der alten Kirchensprache Latein. Aber dieser Name lautet in beinahe jedem Land der Welt anders. Francis heißt der Papst in den USA und Großbritannien, Francesco in Italien, Francisco in Spanien, François in Frankreich, Franciszek auf Polnisch, auf Russisch einfach Franzisk, im Deutschen Franziskus - und zwar in der eingedeutschten Schreibweise mit -z- und -k-. Und die bayerische Wikipedia schreibt ihn Franz.

Das Schicksal der internationalen Namensvielfalt teilt Franziskus mit seinen Vorgängern. Benedikt XVI. war bekanntlich auch als Benedetto bekannt - vor allem in Italien.

Ob die katholische Kirche einverstanden ist mit diesen nationalen Varianten? Ja, sagt der aus Wört im Ostalbkreis stammende Kirchenhistoriker Hubert Wolf, heute Professor in Münster, denn: Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren wird die Liturgie in den jeweiligen Landessprachen gefeiert. Und weil der Papstname darin vorkommt, wird dieser auch von den Bischöfen an die Landessprachen angepasst. Das Ganze hat also seinen kirchlichen Segen.

Das Recht, sich ihre Namen selbst zu wählen, haben die Päpste sich übrigens einfach genommen. Wolf sagt: "Schon in der Antike haben sich einige Päpste einen neuen Namen gegeben". Schließlich hätten einige der frühen Päpste von Geburt aus heidnische Namen gehabt. So auch Papst Johannes II., der eigentlich Mercurius hieß wie der römische Götterbote. Nach seiner Wahl im Jahre 533 benannte er sich als erster Papst um. Wolf sagt, einzelne Päpste hätten sogar so kuriose bürgerliche Namen wie Buccapecus gehabt, was übersetzt "Schweinebacke" bedeutet - kein adäquater Name für einen Papst.

Etwa vom achten Jahrhundert an ist, Wolf zufolge, die heute noch übliche Selbstbenennung nach großen Vorbildern zur Regel geworden. Warum Papst Franziskus sich Franciscus nannte, ist inzwischen ja bekannt: Sein Nomen soll Omen sein: Er will dem heiligen Italiener Franziskus von Assisi (1181 oder 1182 bis 1226) nacheifern, der wiederum versuchte, einem Armutsideal nach dem Vorbild Jesu Christi zu folgen.

Der Name Franciscus selbst ist übrigens eine Latinisierung des italienischen Namens Francesco und heißt soviel wie "Französlein". Getauft wurde der historische Franziskus aber auf den Namen Giovanni (Johannes). Francesco war sein Spitzname.

Warum nennen die Deutschen den Papst statt "Franziskus" nicht einfach "Franz" wie in der bayerischen Wikipedia? Das könnte mit deutscher Höflichkeit zu tun haben. Namenforscher Konrad Kunze, emeritierter Professor der Uni Freiburg, sagt: "Manche Formen sind uns wohl zu vertraulich."