Wagner-Verband Fränkischer Abend und „Lohengrin“

Ulm / Jürgen Kanold 03.08.2018

„Wie wahnsinnig“ habe sie im Festspielhaus geschwitzt, erzählt Viola Lachenmann. Die Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbands Ulm/Neu-Ulm erlebte die von Plácido Domingo dirigierte „Walküre“ am Dienstag auf einem Platz oben in der Galerie, wo die Hitze noch extremer zuschlägt. Eine überzeugte Wagnerianerin freilich hält das aus und genießt konditionsstark die Aufführung. Die Bayreuther Festspiele sind für die Rechtsanwältin aus Elchingen der Höhepunkt des Kulturjahres, sie verbringt in Oberfranken ihren Urlaub, besucht die Pre­mieren  – und betreut natürlich, zusammen mit ihrem Sohn Matthias, dem Schriftführer ihres Wagner-Verbands, sowie Sandra Mainiero, der 2. Vorsitzenden, auch die drei Stipendiaten, die vom 5. bis 10. August den Grünen Hügel erkunden dürfen.

Stipendiaten nach Bayreuth zu entsenden, das gehört zu den Aufgaben des Internationalen Richard-Wagner-Verbands und seiner regionalen Ableger. Auch spätere Klassik-Stars wie Jonas Kaufmann, Waltraud Meier und Christian Thielemann erlebten so die Festspiele. Der Ulm/Neu-Ulmer-Verband hat in diesem Sommer Sören Bindemann (Violine), Oksana Poliarush (Sopran) und Viktoria Kassel (Oboe) die Reise nach Bayreuth ermöglicht. Sie werden im Festspielhaus drei Vorstellungen besuchen, „Der fliegende Holländer“, „Parsifal“ und „Lohengrin“ – aber auch einen „Fränkischen Abend“ und ein Stipendiatenkonzert. Ein volles Programm –  „sie sind so beschäftigt, dass es schwierig sein wird, ihnen noch einen der typischen fränkischen Biergärten zu zeigen“, sagt Viola Lachenmann.

In der „Lohengrin“-Aufführung werden die Ulmer Stipendiaten auch Eric Laporte sehen, den Tenor, der in den vergangenen Jahren am Theater Ulm große Partien sang und jetzt als 2. Edler eine kleine Rolle in der Neuproduktion unter Thielemann erhalten hat. Ein Stipendiat des Ulmer Wagner-Verbands aber, Alexander Kiechle (aus Günzburg), sang in der Uraufführung „Der verschwundene Hochzeiter“, dem Auftragswerk der Bayreuther Festspiele von Klaus Lang, sehr souverän eine Hauptrolle. Das war im „Reichshof“ in der Stadt – aber dass der 25-Jährige, der noch Mitglied im Zürcher Opernstudio ist, auch eines Tages droben im Festspielhaus mit seinem eindrucksvollen Bass auftreten wird, da ist sich Viola Lachenmann sicher.

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