Sie waren jung, sie waren wild, sie waren schön - London war in den 60er Jahren das Kreativ-Zentrum der Welt. Eine Explosion der Künste, die den Staub der Vergangenheit einfach wegpustete. Und mittendrin: David Bailey, Ikone der Fotografie, der den Swinging Sixties erst ein Gesicht gab.

Schauspieler, Musiker, Künstler, Models - er hatte sie alle vor der Linse: Andy Warhol, die Beatles, die Rolling Stones, Jean Shrimpton, William Somerset Maugham oder Michael Caine. Der Mann ist purer Pop gewesen - und ist es immer noch. Dabei blieb er in seinen ungekünstelten Porträts vorzugsweise der Schwarz-Weiß-Ästhetik verpflichtet. Farbe sei zu sehr mit Symbolismus aufgeladen, meint Bailey.

In der Collector’s Edition „David Bailey“ des Taschen Verlags sind mehr als 300 Porträt-Aufnahmen von den 60er Jahren bis heute versammelt - eine eindrucksvolle und umfangreiche Retrospektive eines Lebenswerkes, das eine magische und pure Coolness besitzt.

Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht: 2500 Euro kostet ein Band der auf 2700 Exemplare limitierten Ausgabe. Es geht noch eine Spur exklusiver: Eine erste Art-Edition von 75 Bänden für 12.500 Euro ist bereits ausverkauft.

Selbst die legendären Kray-Zwillinge fotografierte er 1965. Die Gangster mit Promi-Status waren offiziell Nachtclubbesitzer im Londoner East End. Ihr Geld verdienten sie unter anderem mit Schutzgelderpressung. Auf Baileys Bild lächeln sie, aber sie haben Schlangen in der Hand

In Londons Osten ist auch der 1938 geborene David Bailey aufgewachsen, der sich bereits als Kind für die Fotografie interessierte, wenn auch mehr für die chemischen Prozesse. Als er die Werke von Picasso kennenlernte, schwenkte er auf die künstlerische Seite um und wurde Ende der 50er Jahre Assistent des angesehenen Fotografen John French.

Schließlich ergatterte er einen Job bei der „Vogue“, wo er 15 Jahre lang bleiben sollte. Mit seinen Aufnahmen hat David Bailey die Mode-Fotografie revolutioniert. Was früher schwer und steif war, wurde plötzlich leicht, lebendig, authentisch - und dabei auch noch ziemlich stylish.

Vor allem aber lebte Bailey für den Moment - nur er und sein Modell. Dabei gelang es dem Fotografen, durch Jokes (manchmal auch ein bisschen rüde), Ankedoten und Gespräche immer eine ganz relaxte Atmosphäre herzustellen, eine ganz besondere Magie zu zaubern, die zu ikonischen Bildern führen sollte.

Viele Arbeiten von David Bailey haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: Mick Jagger mit Fell-Kapuze, John Lennon, der sich auf Paul McCartney stützt, ein verletzlicher Andy Warhol, David Hockney mit verutscher Brille, Amanda Lear am Kreuz, der nackte Skandal-Künstler Damien Hirst, den Bailey immer wieder fotografierte und, und, und... - oder auch die lächelnde Queen, bei der plötzlich eine ganz andere Seite zum Vorschein kommt.

„Ich war schon immer ein großer Fan der Queen. Sie hat sehr freundliche Augen mit einem schelmischen Glanz. Ich habe starke Frauen immer gemocht, und sie ist eine sehr starke Frau“, sagte Bailey laut „Guardian“. Solch starke Frauen sind für ihn auch Kate Moss, Jerry Hall, Jane Birkin oder Marianne Faithfull.

David Bailey startete in den 60er Jahren, aber da blieb er nie stehen. Immer am Puls der Zeit: Fotos von Patti Smith, John Cooper Clarke, Bob Geldof oder The Clash zeigen, dass auch Punk für ihn ein Thema war.

Zwischen all den Promis, die David Bailey im Laufe seiner langen Karriere fotografierte, taucht plötzlich das 1998 entstandene Bild eines offenbar Obdachlosen mit seinem Hund auf: „Er schenkte uns sein Lächeln“, lautet die Bildunterschrift.

David Bailey. David Bailey, Francis Hodgson, Benedikt Taschen, Hardcover mit vier verschiedenen Schutzumschlägen und einem von Marc Newson entworfenen, weißen Buchständer, 50 x 70 cm, 440 Seiten, Edition von 2700 Exemplaren, € 2.500, ISBN 978-3-8365-5810-5 (Englisch)

David Bailey bei Taschen