Ludwigsburg Festspiele: Wördehoffs Welt

Festspielleiter Thomas Wördehoff steht für außergewöhnliche Programme.
Festspielleiter Thomas Wördehoff steht für außergewöhnliche Programme.
JÜRGEN KANOLD 17.11.2012
Wie viele Stars hätten Sie denn gern? Der umstrittene Festspielchef Thomas Wördehoff setzt auch 2013 in Ludwigsburg auf kunstvolle Eigenproduktionen.

Isabelle Faust, die große Geigerin, kommt wieder. Auch Christine Schäfer, die gefeierte Sopranistin - nur dass die beiden diesmal gemeinsam eine Kammermusik des 20. Jahrhunderts aufführen: die "Kafka-Fragmente" György Kurtágs. "Die Brust schwillt vor Stolz", kommentierte Thomas Wördehoff, Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele, gestern im Palais Grävenitz beim Ausblick auf die Saison 2013 seinen Coup.

Außergewöhnliche Programme, das ist seine Devise, seit er 2009 die Schlossfestspiele übernahm. Das Duo Faust/Schäfer probt in Ludwigsburg, der Abend wird international weitergereicht, auch nach Salzburg. Er begreife Ludwigsburg (Budget: 3,6 Millionen Euro) als "producing festival" und auch nicht nur als "regionales Phänomen" - ja, deshalb hatte man Wördehoff, zuvor Chefdramaturg der Ruhr-Triennale, geholt. Aber ein solches Programm durchzusetzen, "das dauert ein bisschen", weiß Wördehoff mittlerweile. Zeit hat er aber keine mehr. Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec und die Mehrheit des Aufsichtsrats glauben nicht mehr an den Intendanten und seinen metropolenhaften Anspruch. Sie vertreten ein Publikum, das auf Bartoli, Mutter und Co. schwört, und argumentieren mit Zahlen. Nur 31 000 Besucher statt der geforderten 33 000 waren es 2012 gewesen, so wurde Wördehoffs noch bis 2014 währender Vertrag nicht verlängert.

Wördehoff will seinen Weg unbeirrt noch zwei Festivals weitergehen, mit vertrauten Namen seiner Intendanz und spannenden Programmen. So dirigiert Christian Muthspiel das Eröffnungskonzert am 2. Mai 2013 mit Dvoraks Sinfonie "Aus der neuen Welt" und HK Grubers "Frankenstein!"-Pandämonium. Mnozil Brass kommt mit dem von Philippe Arlaud inszenierten Wagner-Spektakal "Hojotoho" ins Forum, Israel Galván choreografiert den Flamenco-Abend "Lo Real" in Koproduktion mit Madrid, Konrad Junghänel führt mit Chor und Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele das Auferstehungsoratorium von Carl Philipp Emanuel Bach auf.

Und wie geht es 2015 weiter? Der Aufsichtsrat trat gestern Abend noch vor die Presse: Es wird mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock und dem Geiger Daniel Hope als Doppelspitze verhandelt.

Info Karten & Info im Internet unter www.schlossfestspiele.de