Ein Teil ihrer Bilder ist derzeit in Amsterdam, Paris und Salzburg zu sehen. Einen anderen Teil ihrer seit 2010 entstandenen Werke hatte Eva Recordon für eine große Ausstellung in ihrer Geburtsstadt Ulm ausgewählt. Kein Problem, die Künstlerin, die seit 15 Jahren in Südfrankreich und Stuttgart lebt, wird von Galerien in Berlin, Paris, Amsterdam, Zürich und Stuttgart vertreten und bewahrt stets auch Arbeiten in ihren beiden Ateliers auf. Da seien schon immer viele Bilder im Umlauf, erklärt die 64-Jährige. Sprich: Es sind genügend Werke vorhanden, die sie vorzeigen und zum Verkauf anbieten kann – und sei es in drei Ländern zugleich.

Als aber ein Teil davon auf dem Postweg von Stuttgart zu einer Ausstellung in Amsterdam verlorenging, wurde es doch eng. 35 Leinwände irgendwo zwischen Neckar und Amstel gestrandet – was tun? Für die Vernissage in Holland Ende April parallel zur Vorbereitung der Schau in der Galerie im Science Park neue Werke schaffen. So schnell? Nun ja. „Ich hab’ sehr, sehr viel arbeiten müssen in letzter Zeit“, sagt sie. So war schließlich auch die Ausstellung bei Scan Plus zur Eröffnung komplett, auch wenn der Firnis der neuesten Stücke erst eine Woche vorher in der Provence aufgetragen worden war. „Ich habe das Glück, dass es mir ziemlich schnell von der Hand geht.“

Es, damit meint die gelernte Übersetzerin, die es nach dem Besuch der Ulmer Jörg-Syrlin-Schule und des Hans-und-Sophie-­Scholl-Gymnasiums, das damals noch Mädchen-Gymnasium hieß, schon mit 18 Jahren nach Frankreich gezogen hat, das Malen. Das führte Eva Recordon von Aquarellen und Porträts bald schon zu gegenstandslosen, rhythmisierten, größtenteils mittelformatigen Farbflächen, die sich auch mal zu Dip- oder Triptychen zusammenfinden. „Die Farbe ist stets mein Hauptanliegen“, sagt die Frau, deren Geschwister noch in Söflingen leben. „Und meine Lieblingsfarbe ist Rot.“ Vor allem  in den vergangenen Jahren tendierte sie immer mehr zu warmen Tönen. Denen setzt sie – als Ausdruck von Leichtigkeit und Lebensfreude – Weiß und Grau entgegen.

Ältere Kleinformate wirken dagegen noch härter, schwerer, vieldeutig grafisch. Nach einer Lungenentzündung musste sie vor vier bis fünf Jahren auf ärztlichen Rat hin auf Acrylfarbe und sämtliche chemischen Materialien verzichten – und für ihre Malerei neue Wege finden. Recordon begann, Farben aus ungiftigen Ingredienzen selbst zu mischen: Pigmente, Leim, Sand, Asche. Dazu Papierschnipsel und Schöpf­arbeiten aus Pflanzen, die als Collagen in vielen Werken  zu sehen sind. Vor allem in der Bildserie „végé-toiles“ – einer Wortschöpfung aus dem französischen Wort für „pflanzlich“ und für „Leinwände“ – stecke „der halbe Garten drin“. Das gefällt ihr. „So kann ich alles einbinden, und es wird zu einer Einheit.“

Heute malt sie Seelenlandschaften, die spontan aus ihr herausbrechen. „Allem voran male ich für mich. Zwinge mich zu nichts“, erklärt die vierfache Mutter. Und schiebt mit einem entschuldigenden Lächeln hinterher: „Sie werden bei mir nicht so die Wahnsinnsaussage finden. Es macht mir halt Spaß.“ Die Seele müsse mitschwingen. Alles andere wäre kontraproduktiv. Kunst hat sie begleitet, solange sie denken kann. Erst schuf sie ihre Bilder nebenberuflich, seit 2007 in Vollzeit. „Das hat ganz gut geklappt“, sagt die Absolventin der Kolping-Kunstschule Stuttgart und Kunstakademie Bad Reichenhall, die 2010 den Syrlin-Kunstpreis erhielt. Sprich: Ihre Bilder sind international gefragt.

Nach drei Monaten tauchten die verlorengeglaubten Werke übrigens wieder auf – „aber erst, nachdem ich mit einer Klage gedroht hatte“. So sind unter den 62 in Ulm gezeigten Arbeiten nun etliche, deren warmes Rot Eva Recordon erst vor ganz kurzer Zeit in der Provence auf die Leinwand gespachtelt hat.

„Synergien – Farbe, Form, Struktur“


Ausstellung Bilder von Eva Recordon aus den vergangenen sieben Jahren sind unter dem Titel „Syner­gien – Farbe, Form, Struktur“ bis 11. Oktober in der Galerie im Science Park im Treppenhaus der Firma Scan Plus, Lise-Meitner-Straße 5, auf dem Eselsberg zu sehen: Mo-Fr 9-12, 13-17 Uhr.