Was hätten die Nazis wohl angestellt, verfügten sie über die Mittel des modernen Überwachungsstaats? Dieser Horrorvorstellung geht Andreas Eschbach in seinem neuen Roman nach. In Eschbachs Bestsellern ging es schon um Alchemie, Selbstjustiz, Zeitreisen und die ultimative Ölkrise. Aktuell wirft der 59-jährige gebürtige Ulmer mit Wohnsitz in der Bretagne in „NSA – Nationales Sicherheits-Amt“ einen Blick in die jüngere Vergangenheit Deutschlands, der durchaus auch als Mahnung für die Zukunft verstanden werden kann.

Sein Szenario von Computern und Smartphones zur Zeit des „Dritten Reichs“ gründet er durchaus plausibel auf historische Fakten: Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der britische Mathematiker Charles Babbage die Idee für seine „Analytical Engine“, einen mechanischen Computer, für den die Mathematikerin Ada Lovelace ein Programm entwickelte. Beide gelten heute als Pioniere des Computerzeitalters.

Ihnen schreibt Eschbach in seinem Alternativweltszenario um 1900 weltumspannend einen enormen Technologieschub zu, den sich auch die Nationalsozialisten zunutze machen. So schafft Hitler nach der Machtübernahme das Bargeld ab. Die elektronischen Geldtransfers, mobile Telefonie und elektronische Post überwacht das Nationale Sicherheits-Amt (NSA), eine fiktive Behörde, der die schüchterne, aber pfiffige Helene Bodenkamp als „Programmstrickerin“ angehört. Sie erzeugt etwa Suchroutinen, mit deren Hilfe versteckte Juden und Deserteure ermittelt werden können. Zugleich versteckt Helene aber ihren Liebhaber, den fahnenflüchtigen Wehrmachtsoldaten Arthur. Spannend gestalten sich zudem Helenes Machtspiele mit Arbeitskollege Eugen Lettke. Der opportunistische „Vorzeigearier“ führt als männlicher Protagonist mithilfe der digitalen Überwachungstechnologie einen perversen Rachefeldzug gegen Frauen.

Plastisch geschilderte Charaktere voll überraschender Facetten ermöglichen das Eintauchen in eine Welt, die uns heutzutage immer wahrscheinlicher vorkommen muss. Fürchten sich Brandhorst und Schätzing vor intelligenten Maschinen, so ist es bei Eschbach der Mensch, der die todbringende Maschine bedient.

Lesung Andreas Eschbach liest am Montag, 20.30 Uhr, in der Ulmer Buchhaldlung Hugendubel aus „NSA“.