Ehingen Schmuggel von Antiquitäten: SEK verhaftet 61-Jährigen

Polizisten und Carabinieri durchsuchen gestern die Wohnung des Ehingers.
Polizisten und Carabinieri durchsuchen gestern die Wohnung des Ehingers. © Foto: Carabinieri/dpa
Rom/Ehingen / sab/dpa 04.07.2018
Die Polizei handelt auf Bitten der italienischen Behörden, die wegen Antiquitätenschmuggels ermitteln.

Das Sondereinsatzkommando hat am Mittwochvormittag auf Weisung des Landeskriminalamts in Ehingen einen 61 Jahre alten Italiener verhaftet. Das bestätigt ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE. Hintergrund ist ein Rechtshilfegesuch der italienischen Strafverfolgungsbehörden, die einen Auslieferungshaftbefehl beim Oberlandesgericht Stuttgart gestellt hatten. Vor dem Amtsgericht Ehingen ist dem Mann nach der Verhaftung der Auslieferungshaftbefehl eröffnet worden, wie der Sprecher weiter mitteilt.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa werfen die italienischen Behörden dem 61-Jährigen vor, gemeinsam mit 22 weiteren Verdächtigen in Italien, Großbritannien und Spanien einen Antiquitätenschmuggel betrieben zu haben. Zudem ermittele die Polizei gegen zwei Münchner Auktionshäuser. In der Ehinger Wohnung des 61-Jährigen hat die Polizei 30.000 Euro in bar sichergestellt.

Die Behörden beschlagnahmten bei den Festnahmen in besagten Ländern ferner mehr als 20.000 Gegenstände im Wert von über 40 Millionen Euro, die bei illegalen archäologischen Grabungen in Sizilien gestohlen worden sein sollen. Um welche Art von Antiquitäten es sich gehandelt habe, sagte die Polizei nicht. Auf der Mittelmeerinsel befinden sich die Überreste antiker griechischer Stätten.

Antiquitäten auch gefälscht

Die gestohlenen Kulturgüter seien zunächst illegal nach Deutschland exportiert und mit gefälschten Herkunftszertifikaten versehen worden. Anschließend wurden sie von Auktionshäusern in München verkauft. Einige der Gegenstände wurden an reiche Sammler in Norditalien verkauft, die gewusst haben sollen, dass es sich um Hehlerware handelt. Die Bande habe auch selbst Antiquitäten gefälscht und gehandelt.

Der mutmaßliche Rädelsführer agierte den Angaben zufolge aus seiner Heimatstadt Riesi auf Sizilien. Der 72-Jährige ist unter dem Namen „Zu Gino“ (Onkel Gino) bekannt. Der illegale Handel mit den Antiquitäten sei „über Jahre“ gelaufen, teilte die Polizei mit. Die Ermittlungen hatten 2014 begonnen. Sowohl die Polizeibehörde Europol und die Justizbehörde Eurojust seien an den Festnahmen beteiligt gewesen.

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