Musik Einstein-Schüler und Jazz & More Collective

Ulm / Christoph 18.01.2019

Der Professor und Posaunist Johannes Herrlich (56) hatte in der Schule nie das Glück, jazzen zu dürfen. Anders die Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums Ulm-Wiblingen, die am Mittwoch Besuch von den Musikern des Jazz & More Collective bekamen, alle Musikdozenten, Preisträger und vor allem engagierte Jazzer.

Tagsüber arbeiteten die Jugendlichen in Workshops mit den Dozenten, abends waren sie als Einstein-Big-Band quasi das Vorprogramm für den Auftritt des Kollektivs im nahezu ausverkauften Bürgerzentrum Wiblingen. Ein bisschen stahl der Nachwuchs den Großen die Show, es war eine Freude mitanzusehen, mit wie viel Spaß es hier zur Sache ging.

Alina und Leonie sangen Soulklassiker wie Dusty Springfields „Son of a preacher man“ oder Amy Winehouse’ Interpretation von „Valerie“, eine Komposition der Band The Zutons. Joo Kraus dirigierte dabei souverän lässig, obwohl das beim Jazz manchmal etwas peinlich aussehe, wie der Trompeter witzelte.Mit Mancinis „Pe­ter-Gunn“-Thema verabschiedeten sich die Adepten denkwürdig: Leo entlockte seiner E-Gitarre ein feines Solo, das vom E-Bassisten Max aufgenommen und von der Orgel fast schon psychedelisch zu Ende gebracht wurde.

Nach der Umbaupause wechselte Kraus nach vorne, wo er neben Herrlich und dem Altsaxophonisten Markus Harm Platz nahm. Letzterer ist ein ehemaliger Schüler von Klaus Graf. Der wiederum fehlte genauso wie die Sängerin Fola Dada, da beide an diesem Abend mit der SWR-Big-Band und Götz Alsmann in Schwäbisch Gmünd auf der Bühne standen.

New York statt Ochsenhausen

Für Dada kam Johanna Iser, die halt, was Kraus versprach. Die junge Frau hatte sich 2013 im Fernsehen der Promi-Jury von „The Voice of Germany“ gestellt, 2015 im Duett mit Bobby McFerrin gesungen – begleitet von Chick Corea am Klavier. Da konnte das von Martin Schrack (Keyboard) arrangierte „Der Junge mit der Harmonika“ zum sanften Ohrenschmeichler werden, der vergessen machte, dass die Schlagernummer von Bernd Clüvers ursprünglicher Fassung schon ein wenig abgenutzt wirkt.

Klassischer Discosound der ausgehenden 70er war die Kraus-Kom­position „Stomping Ox“. Kraus und Iser flöteten ihren „Lalala“-Gesang zu treibenden Rhythmen von Torsten Krill (Schlagzeug), Veit Hübner (Kontrabass) und Göran Klinghagen (Gitarre), Herrlichs sexy Posaune klang mehr nach New York als Ochsenhausen – der Ort, an dem Kraus die Idee zu dem Stück hatte. Das Publikum zeigte sich lautstark begeistert.

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