Buch Buch: Eine Muse namens Hopper

Michael Connelly lässt seinen Detektiv Harry Bosch vor Edward Hoppers Gemälde „Nighthawks“ ermitteln.
Michael Connelly lässt seinen Detektiv Harry Bosch vor Edward Hoppers Gemälde „Nighthawks“ ermitteln. © Foto: Getty
Ulm / Helmut Pusch 19.12.2017
Autor Lawrence Block lässt 16 seiner Kollegen Geschichten zu Bildern des amerikanischen Künstlers Edward Hopper verfassen.

Edward Hoppers Bilder erzählen Geschichten – und lassen Andere Geschichten erzählen. Der amerikanische Autor Lawrence Block, selbst ein hochdekorierter und höchst erfolgreicher Spannungsautor, hat 16 seiner Kollegen gewonnen, sich von Bildern Hoppers, jeder von einem anderen, zu neuen Geschichten inspirieren zu lassen.

Ihre kurzen Short-Stories setzen dort an, wo das Gemälde als Momentaufnahme zwangsläufig aufhören muss, erzählen weiter, was verborgen in der Mimik, der Körpersprache der Figuren und in der festgehaltenen Szene zu erspüren ist. Und manche Neudeutung hat ungeahnte Weiterungen und Schrecknisse, wie etwa Stephen Kings Blick in den Wandschrank auf Hoppers „Room in New York“, in dem das auf den ersten Blick doch recht sympathische und harmlos wirkende junge Paar einen Handlungsreisenden langsam krepieren lässt.

King ist nicht der einzige Bestseller-Autor, den Block gewinnen konnte. Lee Child, dessen Jack-Rea­cher-Romane mehrfach verfilmt wurden, gelingt eine verblüffend familiäre Deutung von Hoppers „Hotel Lobby“. Der Pulitzer-Preisträger Robert Olen Butler nimmt sich des Clowns auf Hoppers „Soir Bleu“ an, Joe R. Lansdale macht aus Hoppers „New York Movie“ eine erbarmungslose Geschichte aus dem Milieu der Schutzgelderpressung.

Michael Connelly lässt für Hoppers „Nachthawks“ seinen Detektiv Harry Bosch vom Los Angeles Police-Department seinen Dienst quittieren, damit er als Privat Eye im Art Institute of Chicago und angesichts Hoppers berühmtestem, 1942 entstandenen Werk seinen Nachforschungen nachgehen kann. Jeffery Deaver, dessen „Knochenjäger“ mit Denzel Washington und Angelina Jolie verfilmt wurde, macht aus „Hotel by a Railroad“ erfindungsreich einen Spionage-Kassiber.

Und die Kunsthistorikerin Gail Levin, eine ausgewiesene Fachfrau für Hopper, die auch dessen Werkverzeichnis verfasst hat, macht gar Anleihen im realem Leben des Künstlers. Sie lässt den Nachbarn von Hoppers Elternhaus, einen ehrbaren Reverend, zum Kunstdieb werden, der die Frühwerke Hoppers entwendet. Eine erstaunlich glaubhafte Fiktion.

Info Lawrence Block (Hrsg.): Night­hawks. Stories nach Gemälden von Edward Hopper). Droemer, 320 Seiten, 29.99 Euro.

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