Ulm / BURKHARD SCHÄFER  Uhr

Arnold Schönberg sagte über seinen Schüler: „Seine Begabung, sein Ernst, seine Produktivität sind sicher ungewöhnlich, und ich glaube zuversichtlich, dass er in der Entwicklung der Musik ein Wort dreinzureden haben wird.“   Die Rede ist von Norbert von Hannenheim, 1898 in Hermannstadt geboren und 1945 in der Euthanasieanstalt Obrawalde gestorben. Zum Unglück für die Welt sollte Schönberg sich irren: von Hannenheim konnte sich nicht durchsetzen, die Nazis verfemten den atonal komponierenden Musiker gründlich. Auch wurde Notenmateial 1943 Opfer eines Bombenangriffs. Mittlerweile aber sind 45 seiner 240 vollendeten Werke wieder aufgetaucht, unter anderem die hier zu hörenden Werke für Viola und Klavier mit der Bratschistin Aida-Carmen Soanea und dem Pianisten Igor Kamenz. Man steht fassungslos vor dieser absolut sensationellen CD (erschienen bei Challenge, CC 72734).

Drei Fragen an...

… die Bratschistin Aida-Carmen Soanea

Wie sind Sie auf von Hannenheim und seine Werke aufmerksam geworden?

Nach einem Konzert im Oktober 2006 zeigte mir der Musikwissenschaftler Bernd Edelmann eine Notenseite: den Anfang der 2. Sonate. Mehr hatte auch er nicht. Ich musste also selbst in Erfahrung bringen, wie dieses kraftvolle, energisch zupackende Thema sich weiter entwickeln und der große Bogen der ganzen Sonate sich schließen würde. So habe ich jahrelang recherchiert, bis ich den Rest des Werkes fand und mehr Details über das Leben des Komponisten in Erfahrung bringen konnte.

Wie behandelt von Hannenheim die Viola in diesen Stücken?

Der Komponist weiß genau, wie er den typischen Bratschenklang erzeugt: mit reichlichem Gebrauch der C-Saite und nostalgisch-melancholischen Passagen in Lagen, in denen das Instrument frei schwingt. Er denkt vom Klavier her und fordert durch seine im Tonumfang sehr weite Stimmführung, eine technisch äußerst komplexe Virtuosität und immense Geläufigkeit. Insbesondere bei den vielen übermäßig schnellen Tempi muss sich die Viola gegenüber der vollgriffigen Klavierstimme durchsetzen.

Welchen musikhistorische Stellenwert haben von Hannenheims Viola-Werke?

Aus dem engen Schönbergkreis hatten sich wenige Studenten wie Robert Gerhard oder Natalie Prawossudowitsch mit der Viola beschäftigt. Aus der Zeit haben wir Bratschisten eigentlich nur Hindemith, der regelmäßig für „sein“ Instrument komponierte – doch dieser kommt aus einer vollkommen anderen Stilrichtung. Von Hannenheim schrieb alle Werke um 1937 in einem großen Wurf, er experimentiert bis ins kleinste Detail und fand bei seiner Suche eine neue Art von Virtuosität, Kraft und Geläufigkeit.