Ein Rothko als Kulisse

Wolfgang Schukraft wird neben einem Original auftreten. Foto: Volkmar Könneke
Wolfgang Schukraft wird neben einem Original auftreten. Foto: Volkmar Könneke
LENA GRUNDHUBER 22.02.2013
Gleich zweifach wird die Ulmer Kunsthalle Weishaupt jetzt "bespielt". Zur neuen Ausstellung "American Idols" wird ein Stück über Mark Rothko aufgeführt.

Wolfgang Schukraft ist da entwaffnend ehrlich. Das Werk von Mark Rothko, das habe er gar nicht gekannt, bevor er das Stück "ROT" von John Logan sah. Vielleicht ist der Leiter der Theaterei Herrlingen gerade deshalb so enthusiastisch über sein neues Projekt: Er wird das Schauspiel über den abstrakten Expressionisten Mark Rothko aufführen. Und zwar neben einem sehr roten Original. In der Ulmer Kunsthalle Weishaupt nämlich, dort hängt das Rothko-Bild aus der Sammlung von Siegfried und Jutta Weishaupt jetzt genau da, wo auch die Bühne für die Aufführungen der Theaterei Herrlingen errichtet wird - Premiere ist am 1. März. Das Werk bildet das schwindelerregend rote Herz und den Ausgangspunkt der neuen Ausstellung. Schukrafts Idee, das Stück hier zu zeigen, war der "gegebene Anlass, unsere Amerikaner wieder ins Licht zu rücken", wie Kathrin Weishaupt-Theopold, Leiterin der Kunsthalle, sagt. Für die Schau "American Idols", die von Sonntag an bis 13. Oktober zu sehen ist, haben die Weishaupts Stücke "von Basquiat bis Warhol" aus dem Depot geholt. Der Untertitel zeigt an: Chronologie ist nicht der Leitfaden der Präsentation von Werken aus den 1950er Jahren bis 2000.

Wenn Schukraft sich als Rothko mit einem Kunststudenten dialogisch duelliert, dann wird er das umrundet von einer bedeutungsvollen Kulisse tun. Zwei Rothkos sind flankiert von Kollegen wie Kenneth Noland, Morris Louis und Willem de Kooning. Doch - ein "Combine Painting" von Robert Rauschenberg warnt vor - der Maler ist zugleich konfrontiert mit der Pop Art. Warhols "Last Supper" prangt riesenhaft an der "Altarwand" der Kunsthalle. "Diese Künstler bringen mich um", zitiert Schukraft seine Figur. Das ändert nichts daran, dass die angrenzenden Räume Basquiat, Michael Ray Charles, Warhol und Keith Haring gehören. Ein Stockwerk tiefer findet sich das ganz andere: Der Minimalismus. Donald Judd und Dan Flavin haben viel Platz zu wirken. Nebenan ist alles Linie. Agnes Martins weiße Bilder lassen Sammler Siegfried Weishaupt emotional werden. Tatsächlich sollte man sich Zeit nehmen, um vor den zarten Linien der Serie "On a Clear Day" zu meditieren.

Auf Schwarz arbeitet Frank Stella in "Black Series II", was Elaine Sturtevant ins Großformat hebt. Ihr Verfahren, andere Künstler zu "wiederholen", zieht überhaupt eine intelligente Doppelbödigkeit ein. Gleich bei Lichtensteins "Perfect Painting" hängt ihre Lichtenstein-Version. Darüber schwebt Reproduktions-Artist Andy Warhol, der seine Leonardo-Adaption mit dem Pinsel bewerkstelligte. Was Mark Rothko wohl dazu gesagt hätte? Das wird man von Wolfgang Schukraft zu hören bekommen.