Autobiografie Ein Monty Python blickt zurück

1978 hing Eric Idle in Tunesien ab.
1978 hing Eric Idle in Tunesien ab. © Foto: Monty Python/Kobal/REX/Shutterst
London / Magdi Aboul-Kheir 05.11.2018

„Vielleicht sollte jeder einmal für ein paar Tage gekreuzigt werden – das ermöglicht einem einfach einen guten Blick auf das Leben an sich.“ Als Eric Idle 1978 tagelang, nur mit einer Unterhose bekleidet, unter der tunesischen Sonne am Kreuz hing,  gewann er freilich nicht nur philosophische Einsichten. Sondern er schrieb, sing und pfiff ein Stück Filmgeschichte: Zusammen mit seinen Kollegen der Komikertruppe Monty Python schuf er dort mit „Das Leben der Brian“ einen Komödienklassiker.

Wenn Idle nun mit 75 seine Autobiografie vorlegt, schildert er nicht nur vergnüglich seinen Lebens- und Schaffensweg, sondern stellt auch ein Lied immer wieder in den Mittelpunkt, das ironisch wirken sollte, sich dann aber als ikonisch erwies: „Always Look On The Bright Side Of Life“. Es ist heute unter anderem der Song Nummer eins auf britischen Begräbnissen.

Idle erzählt nun also die „Memoiren eines gescheiterten Pessimisten“, dabei waren die Anfänge gar nicht komisch. Sein Vater wurde getötet, als er per Anhalter aus dem Zweiten Weltkrieg zurück nach Hause wollte. Seine Mutter wurde depressiv, der Junge wuchs in brutalen britischen Bildungseinrichtungen auf. Er lernte, dank Rock ’n’ Roll und Humor, mit Dreistheit und Subversivität zu überleben, aber eine gewisse Bitterkeit klingt da bis heute schon durch.

Er studierte in Cambridge Englisch, kam über Theater- und Comedy-Clubs in Kontakt mit anderen Talenten. In London verdingte er sich als Autor für humoristische TV-Sendungen, schließlich fand er sich 1969 mit vier anderen Engländern und einem Amerikaner für eine BBC-Show zusammen.

Die so brillant alberne wie geistreiche Gang nannte sich Monty Python, und der Rest ist Geschichte – eine Geschichte, über die zwar schon von sehr vielen sehr viel geschrieben wurde, die Idle aber interessant anekdotenreich, selbstironisch, wenn auch nicht völlig uneitel erzählt.

Aber wie soll man bescheiden bleiben, wenn man Schöpfer solch genialer Werke wie dem „Nudge Nudge Wink Wink“-Sketch („Knick Knack Zwinker Zwinker“) ist? Wenn man zu den „Rittern der Kokosnuss“ gehört? Und Idle feierte ja auch ohne Monty Python Erfolge als Autor, Schauspieler und Musiker. Er erfand die Beatles-Parodie The Rutles, und mit „Spamalot“ schuf er sogar ein Hit-Musical, das vom Broadway aus die Welt eroberte.

Idle weiß nicht nur, aber auch von Sex und Drugs zu berichten, und er kennt oder kannte sie wirklich alle: die Stones und das britische Königshaus, Paul Simon und David Bowie, Robin Williams und vor allem George Harrison, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband. Über die Pythons schreibt Idle meist liebevoll und dankbar, mit nur gelegentlichen sanften Seitenhieben.

Zum guten Abschluss gab es 2014 ja eine überraschende letzte Monty-Python-Wiedervereinigung, als die fünf Verbliebenen die Londoner O2-­Arena zehn Mal hintereinander ausverkauften. Natürlich erklang da zum Finale stets „Always Look On The Bright Side Of Life“. Aber wer glaubt, Eric Idle würde diesen Titel auch auf seinen Grabstein schreiben lassen, der irrt. Dort solle stehen: „Ich hätte gern eine zweite Meinung.“

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