München Editors und der Flügelschlag des Schmetterlings

Gibt auf der Bühne alles: Tom Smith, Frontmann der Editors, die derzeit auf Tour sind.
Gibt auf der Bühne alles: Tom Smith, Frontmann der Editors, die derzeit auf Tour sind. © Foto: Imago
UDO EBERL 14.11.2015
Mit ihrem jüngsten Album "In Dream" tendierten die Band Editors in Richtung Pop, der beim Konzert in München deutlicher rockiger gespielt wurde.

Die Münchner Tonhalle ist randvoll, als die Editors am Donnerstagabend auf die Bühne gehen und mit ziemlich rockigen Songs gleich auf die Tube drücken. "An End Has a Start", der Kracher vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2007, so früh auf der Setlist? Eine klare musikalische Ansage, die man nach dem jüngsten, so nah am Pop verorteten Album "In Dream" in diesem Breitseiten-Format nicht erwartet hätte.

Selbst neue Songs der Briten wie "Forgiveness" pumpen live überraschend intensiv. Allerdings scheinen die Editors auch sehr genau zu wissen, dass etliche Songs des jüngsten Albums mit früherem Material nicht mithalten kann, und große Würfe wie "The Racing Rats" werden gut getaktet eingebaut.

Viele der Fans in der nahezu ausverkauften Münchner Tonhalle reagieren auf diese Stimmungsaufheller aus zwölf Jahren Bandgeschichte geradezu euphorisch. Und da ist ja noch das echte Pfund der Truppe aus Staffordshire: Tom Smith, der die Texte geradezu aus sich herauszukrümmen und -zuschwitzen scheint. Mit einer prägnanten Rockstar-Stimme.

Im wuchtigen und opulent inszenierten "Salvation" hört man fast schon Spurenelementen eines Peter Gabriel. Ohne Frage, einer wie Tom Smith hat mit seinen Qualitäten das Zeug zur ganz großen Nummer des Popbusiness, ist sozusagen der Prototyp eines Rockstars, der auf der Bühne alles zu geben fähig ist. Mit dem wunderbaren Editors-Klassiker "Smokers Outside the Hospital Doors", allein mit der akustischen Gitarre gespielt, unterstreicht er das. In den Zugaben tut er das dann auch noch mit dem großen Hit "Papillon".

Ach, hätten sie nur mehr solcher Songs, die Editors wären nicht aufzuhalten. Eines können sie allerdings auch mit Schwachstellen im Programm: Die Schmetterlinge fliegen lassen. Je lauter, desto besser.