Comedy Dodokay und die lieben, netten, groben Schwaben

Überzeugend schwäbisch: Dominik Kuhn.
Überzeugend schwäbisch: Dominik Kuhn. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / Petra Lehmann 30.12.2017
Dodokay bringt das Publikum im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus mit Witzen über die schwäbische Mentalität zum Lachen.

„Dodokay“ war sein Internet-Benutzername, unter dem der Comedian Dominik Kuhn vor zehn Jahren bekannt wurde. Er stellte Filmausschnitte auf YouTube, die er humoristisch ins Schwäbische synchronisiert hatte. Am Donnerstagabend trat er im Edwin-Scharff-Haus mit seinem zweiten Programm auf: „Schwaben – Menschen – Abenteuer“.

Die synchronisierten Filmclips fehlen auch in der Bühnenshow nicht. Da schwätzen James Bond und Arnold Schwarzenegger plötzlich Schwäbisch. Letzterer resümiert im T-Shirt und ziemlich fertig aussehend über ein Besäufnis am Vorabend.

Auch der „TSV 49 aus Leimerstetten“ ist wieder mit von der Partie. Die Vorstandssitzungen des Sportvereins finden stets im „Adler“ statt, da diskutieren auf breitestem Schwäbisch Merkel, Schäuble und Co. über die bevorstehende Silvesterparty des Clubs, über Merkels Zumba-Gruppe, fehlende Gelbe Säcke und verlegte Vereinsraum-Schlüssel.

Dodokay ist dem Schwäbischen zutiefst verbunden und ein guter Beobachter. Zwischen den Filmsequenzen analysiert er „den Schwaben“ an sich, sein Denken, Empfinden, Handeln, seine Sprache. Da gerät der Arztbesuch eines schwerkranken Inders zur Tortur, weil die nette schwäbische Arzthelfern erst das „Kärtle“ sehen will und der Patient dann „grad amol“ im  Wartezimmer Platz nehmen soll.

Ganz kurios werde es, wenn ein Schwabe vor die Kamera müsse, findet Dodokay. Das zeigt er am Beispiel des Feuerwehrhauptmanns Herbert Nägele, der – bemüht Hochdeutsch sprechend – irgendwelche verklausulierten Verlautbarungen über einen skurrilen Brandhergang von sich gibt.

Diese Moderationen zwischen den Filmschnipseln sind sehr feinsinnig formuliert und treffend, doch zum Teil auch ein alter Hut. Besonders nach der Pause wirkte das oft bemüht witzig, langatmig und irgendwie zäh. Trotzdem hatte der Comedian den Beifall verdient. Denn er konnte überzeugend und süffisant darstellen, dass der Schwabe zwar „meistens grob daherschwätzt“, aber im Grunde „lieb, nett und mitfühlend ist“.

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