Documenta Documenta: Finanzloch als Happening

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Kassel / Jürgen Kanold 15.09.2017

Von Athen lernen“, hieß der Arbeitstitel der Documenta 14, die jetzt am Sonntag zu Ende geht. Und das ist die beste Pointe, die dem eher unspaßigen künstlerischen Leiter Adam Szymczyk gelungen ist. Denn vergangenen Dienstag kam die Meldung, dass die Documenta gewaltige Finanzprobleme habe, von einem Defizit in Höhe von sieben Millionen Euro ist die Rede. Bestätigt ist bislang seitens der Gesellschafter – Kassel und Land Hessen – nur die Tatsache, dass es „drohende finanzielle Engpässe“ gebe. Man warte auf den Bericht der Wirtschaftsprüfer. Aber so geht das auch anderen, die sich mit griechischen Verhältnissen herumschlagen müssen.

Sorry, nur nicht in Vorurteile verfallen. Gegen die ist ja Szymczyk mit seiner verdoppelten Documenta angetreten: Er hat die Weltkunstausstellung der 100 Tage zunächst in Athen ausgetragen: als Geste der Solidarität. Das Gerede von Griechenland als schwachem Land, das seine „Hausaufgaben“ erledigen müsse, habe ihn empört, deshalb sei die Documenta geöffnet worden als ein antikapitalistisches Plädoyer für den Internationalismus . . .

Abgesehen davon, ob dieses Projekt künstlerisch aufgegangen ist, oder ob die sich mit den Katastrophen dieser Welt beschäftigende Documenta nicht „selbst zur Katastrophe geworden“ ist (wie Kunstwissenschaftler Harald Kimpel ätzt): Szymczyk hat seinerseits die Hausaufgaben nicht gemacht. Und alle Klischees bestätigt. Oder war das Absicht? Er beklagt jetzt das „ausbeuterische Modell“ der Documenta: Die Erwartungen an ökonomisches Wachstum verhinderten künstlerisches Experimentieren.

Klischees bedient

Noch liegen die Zahlen nicht auf dem Tisch, aber vermutlich hat sich die Documenta erheblich übernommen mit zwei Standorten für ein Budget. Was besonders ärgerlich ist, weil in Kassel der Publikumszuspruch enorm war. Die Documenta 14 wird vermutlich einen neuen Rekord von einer Million Besucher  aufstellen – Kassel wird also ein Defizit dank enormer Steuereinnahmen durch die Kunsttouristen-Ströme gut ausgleichen können.

Viel Kritik hat die Kasseler Documenta einstecken müssen: kuratorisches Mittelmaß, Gesinnungsästhetik, moralinsauer, unübersichtlich. Wer dort war als Normalbesucher und sich nicht bevormunden ließ, bekam freilich ein riesiges Angebot, sich mit der Kunst und der Welt zu beschäftigen. Und nicht nur der Parthenon der Bücher war ein tolles Schaustück. Auf das spektakuläre Finanz-Defizit-Happening hätte man aber verzichten können.