Pop DLDGG: Rasend, frisch, fröhlich, frech

Ulm / Claudia Reicherter 13.01.2018
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen spielt in der Ulmer Hudson-Bar Soul-Stampfer und Mitsing-Rock’n’Roll.

Am Anfang des Konzerts steht der Schluss der Platte. Ans Ende ihres neuen Albums hat die Hamburger Band Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen ein Ins­trumentalstück gepackt, über das sie eine Spoken-Word-Spur mit englischsprachigem Lob von Musiker-Freunden legte. Passend dazu heißt die vierte Platte der Combo, die sie am Donnerstag in der Hudson-Bar vorstellte, „It’s OK To Love DLDGG“.

Okay? Sicher. Die Besetzungsliste dieser auf eine Comic-Verfilmung um Helden der Literatur anspielenden Liga liest sich wie ein Who’s Who des gehobenen deutschen Pop: Der Sänger Carsten Friedrichs gehörte wie der Bassist einst zu Superpunk, der Drummer ist solo als Zwanie Jonson erfolgreich und trommelte schon bei Fanta 4 und Fettes Brot, dem Keyboarder gehört das Plattenlabel, das etwa Erdmöbel, ­Niels Frevert und Bernd Begemann unter Vertrag hat, und der Gitarrist mit dem Saxophon soll schon mit Veranda Music getourt sein. Andreas Dorau schreibt an den Songs mit, und von Blumfeld war auch mal einer dabei.

Nach diesem ironisch unterlegten Einzug legen DLDGG temporeich los. „Oh yeah!“ Leicht verspätet, denn zuvor mussten sie noch den Plattenladen Soundcircus erkunden und ausbaldowern, wie sie alle samt Instrumenten auf der kleinen Bühne im gemütlichen Hudson-Hinterzimmer Platz finden. Ergebnis: Unmöglich! So wird Bassist Tim Jürgens im Dunkel vor der Bühne platziert. Aber hören tut man ihn gut.

Zugabe? Publikum stimmt ab

Die nächsten eineinviertel Stunden vergehen rasend, frisch, fröhlich, frech mit rustikal-humorvollen Ansagen. Die Basis der 13 Songs inklusive zweier Zugaben – sie verzichten „auf diesen Affenzirkus mit Von-der-Bühne-Gehen“ und lassen das Publikum demokratisch abstimmen; es votiert bei einer Gegenstimme für den Zugaben-Block – bilden Soul-Stamp­fer und eingängiger Mitsing-Rock ’n‘ Roll.

Dazwischen streut diese geerdete Fun-Band immer wieder eine Prise Punk und Ska. Darin huldigen Friedrichs und seine gutgelaunte Mannschaft dem Filmemacher und Starkraucher Werner Enke ebenso wie dem Sechs-Buchstaben-Wort „Arbeit“ („Mitsingen! Lauter! Mit mehr Hass!“) und dem „großen Kölner Pfandflaschenbetrug“.

Die teilweise von weither angereisten Fans fordern bis zuletzt immer wieder den Anti-Echo-für-Frei.Wild-Song „Rock-Pop National“ – und finden die Spielzeit viel zu kurz. Dabei hätten sie gewarnt sein können: Auch das aktuelle Album der Gentlemen-Liga ist mit einer guten halben Stunde erdenklich knapp ausgefallen.

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