Malerei Dimitri Krenzer: Inspiration statt Reflexion

Striche als „Seiende“: Dimitri Krenzer.
Striche als „Seiende“: Dimitri Krenzer. © Foto: Otfried Käppeler
Neu-Ulm / Otfried Käppeler 12.09.2018

„Ich fange, wie beim Schreiben, links oben an und gehe Zeile für Zeile nach unten, wo ich – rechts angekommen – aufhöre.“ Es hört sich lapidar an, wie Dimitri Krenzer seine Malerei und deren Komposition schildert. Die Malerei soll bei ihm nicht aus der Reflexion, sondern allein aus der Inspiration kommen. Indem er dem Malprozess im Ganzen einem offenen Ritual unterwirft, lasse er der Inspiration den größtmöglichen Raum.

Dieses Vorgehen verwundert etwas, wenn man Krenzers Bilder sieht, die aus einer weitgehend monochromen Grundfläche bestehen, auf die mit feinem Pinsel kleine, oft nur gering variierte, etwa centgroße Punkte in Reihen nebeneinander schweben. Es genügt bisweilen, den Pinsel nur einmal aufzusetzen, um in den Punkten eine fein nuancierte, bisweilen lasierte Malerei auf Leinwand, Papier und Seide entstehen zu lassen.

Michael Danner sagte in seiner Einführung und im Gespräch mit dem Künstler bei der Eröffnung in der Sebastianskapelle, Krenzer beschäftige sich mit dem Unfassbaren und dessen Darstellung, vergleichbar dem Universum. Tatsächlich ist den Bildern immer etwas Numinoses eingeschrieben, das gerade in der Reduktion der malerischen Mittel sein Faszinosum hat und durchaus staunen lässt, welche malerischen Nuancen das Aufsetzen eines Pinsels auf eine Fläche erzeugen kann.

Dimitri Krenzer ist 1983 in Russland geboren, in Neu-Ulm aufgewachsen und hat in Dresden, wo er heute mit seiner Familie lebt, Kunst studiert. Er bezeichnet seine Punkte und Flecken, die er auf den Malgrund setzt – hinzu kommen bisweilen feine Striche – als „Seiende“.

Das ist zwar abstrakt gehalten, hat aber doch eine philosophisch-exis­tenzielle Konnotation. Wenn der Künstler auch nichts abbilden will, so hat er doch eine Grammatik, ein malerisches Zeichensystem entwickelt, das die Variation im vermeintlich Gleichen künstlerisch zum Ausdruck bringt. Ob man dabei nun an die Artenvielfalt oder an den Menschen denkt: Eine Blume ist eine Blume, als solche erkennbar – und doch sind sie nicht gleich.

Info Bis 7. Oktober, Fr 17-19, Sa/So 11-14 Uhr.

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