"Aus der Ecke da kommen Wolken, Regen, Tornados", sagt Thilo Ewers und deutet auf zwei Reihen jüngerer Männer, die in schwarzen T-Shirts vor ihren Computern sitzen.

Ewers, ist Spezialeffekt-Supervisor bei Pixomondo - ein weltweit führendes Netzwerk für Filmtricks. In der Stuttgarter Dependance, 1000 Quadratmeter auf zwei Etagen im Osten der Stadt, erschaffen 60 Mitarbeiter Filmtricks für die ganze Kinowelt, inklusive Hollywood. An den Wänden hängen Poster zu Hits, an denen Pixomondo mitgewerkelt hat: "Die Tribute von Panem", "Iron Man2", "The Amazing Spider-Man".

In einem Regal steht ein Emmy, den gabs für "Game of Thrones". Pixomondos Spezialität in der Erfolgs-Serie sind die Drachen. Für Martin Scorseses "Hugo" hat Pixomondo 2012 sogar den Oscar gewonnen - und auch am Samstag ist das Studio wieder nominiert worden, für "Star Trek - Into Darkness".

Freude und Stolz sind im Stuttgarter Studio spürbar, vielleicht wäre die Stimmung noch ausgelassener, wenn ein anderer Film nominiert worden wäre: "Oblivion". Denn dann hätten Pixomondos deutsche Effekt-Supervisoren die Nominierung erhalten. Nun dürfen US-Kollegen auf die Oscar-Gala gehen.

Aber Pixomondo ist ein globales Netzwerk. Weltuhren machen deutlich, dass in dieser Firma 24 Stunden lang Virtuelles entsteht. Der Slogan "Share your talent with the world" ist ernst gemeint: Nicht nur die PCs an den sechs Standorten zwischen Los Angeles und Peking sind miteinander verbunden.

Deutsche, französische und tschechische Pixomondo-Animatoren haben zuletzt an den Effekten für die norwegisch-deutsche Koproduktion "Doktor Proktors Pupspulver" gearbeitet. Für die Verfilmung von Jo Nesbøs Kinder-Bestseller lieferte Pixomondo reichlich Effekte: 12.000 Einzelbilder in 117 Einstellungen. Der Pups-Rauch war mit sieben Terabyte Speicherplatz die größte Simulation, die das Studio bislang bewerkstelligt hat, und die Flugszenen - die Helden heben dank geruchlosem Pupsonauten-Pulver ab - verlangten die Kombination mehrerer Trickaufnahmen.

Noch komplizierter war die Animation einer 40 Meter langen Anaconda. "Zuerst mal haben wir für einen Nachmittag in Amerika eine echte Schlange gemietet", erzählt Ewers. Deren Bewegungen wurden aufgenommen, Hautmuster fotografiert. Aus zehn Millionen Polygonen - also Einzelelementen - wurde ein virtuelles Anaconda-Modell gestaltet, dann kamen Skelett und Schuppen hinzu. Schließlich wurde das digitale Tier zu Leinwand-Leben erweckt und mit realen Filmbildern kombiniert. Die Schlange musste zwar "irgendwie böse" sein, sagt Ewers, aber da es ein Kinderfilm ist, nicht zu sehr: "Sie ist nicht mehr die Jüngste und sollte etwas doof-lustig dreinschauen." Das Resultat besticht durch seine Details: Im Auge der Schlange spiegelt sich ihr menschliches Gegenüber.

Solche Effekte bedürfen enormer Kapazitäten. Die Computer, die in Pixomondos sogenannter Renderfarm zur Bildberechnung eingesetzt werden, kommen auf eine Leistung von 16 000 Gigahertz (also 16 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde) - zum Vergleich: ein moderner PC hat zwei bis vier Gigahertz.

"Doktor Proktors Pupspulver" kommt erst im Januar 2015 in die Kinos. Bereits am 13. März dieses Jahres startet "Pettersson und Findus", an dem Pixomondo gearbeitet hat. "Wir sind auch an großen Hollywood-Produktionen für 2015 dran", sagt Effekt-Produzent Jan Fiedler, nennt aber noch keine Titel. Da aber Teil drei und vier der "Tribute von Panem" in Babelsberg gedreht werden, sind diese Filme realistische Pixomondo-Kandidaten.

2013 hatte Pixomondo nach einigen Boomjahren Standorte dichtmachen müssen. Das "Tal der Krise" sei aber durchschritten, erklärt Fiedler, "es gibt wieder mehr Input aus den USA, zudem deutsche und chinesische Aufträge".

Monster, Katastrophen und Weltuntergänge sind im ja Kino weiterhin en vogue. Wobei Kinderfilme eine "erfrischende Abwechslung" darstellten, wie Thilo Ewers sagt. "Wann kann man schon mal Anweisungen geben wie: Wir brauchen mehr Power im Pups!"

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