Schwörwochenende 2018 Interview mit Dieter Thomas Kuhn: „Mehr Liebe täte gut“

Dieter Thomas Kuhn in typischer Montur.
Dieter Thomas Kuhn in typischer Montur. © Foto: Imago
Ulm / Igor Steinle 22.07.2018
Dieter Thomas Kuhn ist ein Dauerbrenner auf deutschen Bühnen. Im Interview lüftet er das Geheimnis seines Brusthaartoupets – und mehr.

Eigentlich heißt Dieter Thomas Kuhn nur Thomas Kuhn. Sein Künstlername ist dem Hitparaden-Moderator Heck nachempfunden. Anders als auf der Bühne wirkt das schwäbische Urgewächs im Gespräch unaufgeregt und ausgeglichen. Ob es am Yoga liegt? Wir hatten den Entertainer im Frühjahr 2017 im Interview.

Herr Kuhn, Sie leben noch immer in Tübingen, was hält Sie dort?

Dieter Thomas Kuhn: Ja, das fragt man sich manchmal. Mit Sicherheit meine Familie und meine Verbundenheit zu dieser Stadt. Ich bin hier geboren und hab’s irgendwie nicht weggeschafft. Ich bereue es nicht. Ich komme so viel rum, dass es immer schön ist, nach Hause zu kommen.

Nervt es Sie, erkannt zu werden?

Überhaupt nicht. In Tübingen ist das kein Problem. Und wenn ich irgendwo anders unterwegs bin, werde ich nur in den seltensten Fällen erkannt.

Der Anzug macht wahrscheinlich einiges aus.

Mit Sicherheit. Und ich bin auch nicht jeden Tag mit dieser Frisur unterwegs.

Sie besitzen eine Harley Davidson. Wo fahren Sie damit rum?

Hier natürlich. Was gibt’s Schöneres als die Schwäbische Alb? Das Allgäu ist auch nicht zu verachten, aber die Schwäbische Alb liegt ja schließlich vor der Tür.

Verschlägt es Sie auch manchmal nach Ulm?

Ich bin immer mal wieder in Ulm, nicht nur, wenn ich spiele. Ich liebe diese Stadt sehr, muss ich sagen. Sie hat ein bestimmtes, tolles Flair, das gefällt mir gut. Wenn man durch das Fischerviertel geht, das Münster . . . Ich finde, das hat was.

Ihre Tour heißt „Im Auftrag der Liebe“. Gibt es davon gerade zu wenig in der Welt?

Ich finde, davon gibt es grundsätzlich zu wenig. Ich weiß nicht, ob die Zeiten jemals besser waren, aber wir empfinden sie gerade als schlecht. Und ich empfinde das natürlich auch so. Aber ein bisschen mehr Liebe täte schon gut, ja.

Interessieren Sie sich für Politik?

Ja. Ich bin sicherlich nicht kompetent in vielen Dingen, aber ich interessiere mich schon sehr dafür, was auf der Welt passiert, und habe natürlich auch meine Meinung dazu.

Sie haben ja seinerzeit aktiv OB Palmer im Wahlkampf unterstützt. Würden Sie das heute wieder tun?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich kenne ihn, wir begegnen uns immer mal wieder und ich halte ihn schon für einen ganz guten Kerl. Aber es gibt schon ein paar Dinge, die ich so nicht mehr unterschreiben würde. Einfach auch, wie er mit den Dingen umgeht, mit seiner freizügigen Facebook-Geschichte zum Beispiel. Aber ich würd’s wahrscheinlich wieder tun.

Anfang der 2000er Jahre haben Sie versucht, sich neu zu erfinden, wurden aber nicht so angenommen wie in Ihrer Rolle als Schlagersänger. Nagt das manchmal noch an Ihnen?

Überhaupt nicht. Das ist eine Phase gewesen, die hat sein müssen, das war ein Versuch, etwas anderes zu tun. Als wir das 1999 beendet hatten, habe ich mich schon danach gefühlt, etwas anderes tun zu müssen, um dann letztendlich festzustellen, dass das, was wir gemacht haben, der eigentliche Spaß war. Dieses ernsthafte Musikmachen und Lieder schreiben – das war mir ganz schnell klar, dass das nicht meine Welt ist und dass wir eigentlich den Spaß am Musizieren verloren hatten. Für mich war die Konsequenz ganz klar, damit aufzuhören. Ohne Reue.

Wie wird man eigentlich vom Masseur zum Schlagerstar?

(Lacht) Naja, wie gesagt, die Liebe zur Musik und zum Musik machen gab’s ja immer. Als das Ganze durch die Decke ging war ich sicherlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und kannte die richtigen Leute. Da kam einiges zusammen, glaube ich. Kalkül kann man da keins drin finden.

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Sie sind auch nicht mehr der Jüngste. Gehen die vielen Auftritte nicht langsam an die Substanz?

(Lacht) Natürlich merke ich, dass das nicht spurlos an mir vorüber geht. Aber im Augenblick schaffe ich das eigentlich noch so wie früher.

Wie halten Sie sich fit?

Mäßig. Meine Sportaktivitäten sind relativ gering, aber ich versuche, ein bisschen Laufen zu gehen. Yoga und mentales Training sind eher mein Programm.

Sie wirken auch sehr ausgeglichen. Liegt das am Yoga?

So exzessiv betreibe ich Yoga jetzt nicht, dass ich dadurch meine Ruhe gewinne. Ne, ich glaube, das ist einfach, weil ich sagen kann, dass es mir ganz gut geht. Toi toi toi.

Werfen Ihnen Zuschauerinnen noch immer Unterwäsche auf die Bühne?

Ja selbstverständlich.

Tatsächlich?

Ja klar. Das sollte auch nicht aufhören.

Und was sagt ihre Freundin dazu?

Ach ja, die kann das glaube ich nach so vielen Jahren mit dem nötigen Abstand sehen.

Sie haben Ihre Freundin ja bei einem Konzert kennengelernt. Hat sie sich in Thomas oder Dieter Thomas Kuhn verliebt?

Vielleicht müsste ich sie mal fragen, das steht wahrscheinlich noch aus. Ich hab‘ keine Ahnung (lacht).

Sie vergleichen Ihre Auftritte oft mit Rock’n’Roll-Konzerten. Mit den obligatorischen Groupies und Drogen?

Da drüber gebe ich selbstverständlich keine Auskunft. Also Drogen haben bei uns nie eine Rolle gespielt, das kann ich schon mal so bestätigen.

Und die Groupies?

Da schweigt des Sängers Höflichkeit.

Wo kann man eigentlich Brusthaartoupets kaufen?

Ich lass mir das schicken.  Da gibt’s eine Firma, die handelt nur mit Echthaar. Ich hab auch mal einen Bericht über die Herkunft dieser Haare gesehen. Indische Frauen lassen sich, wenn sie so lange Haare haben, die oft komplett abschneiden und verkaufen dann ihre Haarpracht an professionelle Perückenhersteller. Oh Gott, dieses Geheimnis hab ich ja noch nie gelüftet, jetzt hab ich’s Ihnen verraten.

Kann ich leider nicht für mich behalten. Reicht ein Toupet pro Auftritt?

Meistens wird’s mir ja entrissen. Ich hab das als Meterware und kann damit verschwenderisch umgehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel