Pop Diese Hüften!

Shakira ist in München euphorisch bei der Sache.
Shakira ist in München euphorisch bei der Sache. © Foto: Lena Grundhuber
München / Lena Grundhuber 19.06.2018

Es ist jetzt ganz warm im Raum. Shakira sitzt locker zwischen ihren Musikern vorn am Bühnenrand, als habe man sich gerade eben erst zur Probe zusammengefunden, und sie singt. Eine schöne Ballade, einen sehr frühen Song, vielleicht ein Liebeslied an einen längst Verflossenen. Doch in diesem Moment fühlt sich bestimmt jeder einzelne der 13 000 Menschen in der Münchner Olympiahalle gemeint.

Nicht das letzte Mal an diesem Abend singen ein paar tausend Leute die Zeilen auswendig mit und schwenken versonnen ihre Handylichter dazu. Vielleicht ist es also nicht nur Projektion, wenn man hin und wieder ein verdächtiges Schimmern in Shakiras Augen auf den Großbildleinwänden zu entdecken meint.

Dass die 41-Jährige sich freut, auf der Bühne zu stehen, ist ausnahmsweise nicht nur eine Popstar-Floskel. Bis vor kurzem wusste sie wirklich nicht, ob sie wieder würde singen können. Nach einer Stimmbandblutung hatte sie vergangenes Jahr ihre „El-Dorado-Tour“ aussetzen müssen, das Konzert in München war der Ersatztermin.

Hüftschwung in Nahaufnahme

Umso euphorischer ist die Frau jetzt bei der Sache. Shakira beweist gern, dass sie ihre Stimme wieder hat und verströmt dabei die unbändige Fröhlichkeit einer 18-Jährigen auf dem Abschlussball. Wer unbedingt Sorgen haben möchte, kann das gern später weiter verfolgen. Aber hier drin ist für ein paar Stunden alles ganz leicht.

Shakiras berühmten Hüftschwung darf der Zuschauer ausgiebig in Nahaufnahme auf dem Bildschirm mitverfolgen. Und man folgt ja auch bereitwillig, denn im Gegensatz zu mancher ihrer Superstar-Kolleginnen hat das Tanzen bei Shakira gar nichts Gymnastisches. Was bei anderen gern mal in Leistungssport ausartet, scheint bei ihr immer auch mit einem kleinen Augenzwinkern daherzukommen. Da ist keine angestrengte Aerobic-Fundamentalistin bei der Arbeit zu besichtigen, sondern eine gelassene Frau, die sich sichtlich wohl in ihrem Körper fühlt.

Musikalisch gibt es viel Spanisches vom letzten Album wie „Me Enamoré“ oder „Chantaje“ zu hören, aber natürlich stehen auch die alten Hits aus einer inzwischen schon jahrzehntelangen Karriere auf dem Programm. Abgesehen von einem ungeklärten tontechnischen Verbrechen an „Underneath Your Clothes“  rutscht die Mixtur aus Dancefloor, Latin und Pop gut durch, und gemessen am genre-üblichen Blingbling besticht Shakiras Show durch eine fast schon elegante Zurückhaltung: Konfetti und Feuerregen ja, Background-Armada nein. Dafür kann Shakira dann auch ihre Musiker angemessen würdigen.

Die eigene Biografie streift sie eher im Vorbeigehen. Ein Bild ihres Fußballer-Manns Piqué mit den Kindern prangt auf Shakiras Gitarre, von der kolumbianischen Göttin Bachué wandelt sie sich auch mal zur Bauchtänzerin, und in der Kostümpause geht es auf dem Bildschirm dann um etwas anderes: um die soziale Shakira nämlich, und um die Schulbildung, die Millionen Kindern auf der Welt verwehrt bleibe.

Das letzte Wort aber hat immer noch die Show, weshalb nach einem funkensprühenden „When­ever, Wherever“ zwangsläufig noch die Fußballhymne „Waka Waka“  kommen muss – in der Begeisterung hätte man es fast vergessen: Da war ja was an diesem Sonntag.

Entdeckt mit 13 Jahren

Weltstar Shakira wurde am 2. Februar 1977 in Barranquilla, Kolumbien, als Shakira Isabel Mebarak Ripoll geboren. Als 13-Jährige wurde sie entdeckt, ihren internationalen Durchbruch hatte sie mit ihrem ersten englischsprachigen Album „Laundry Service“ im Jahr 2001. Mit dem Fußballer Gerard Piqué hat sie zwei Söhne. Mehr Informationen zur Tour unter: www.shakira.com

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel