Marburg Die vielen Wege zur Erleuchtung

2000 Jahre alt ist dieser altägyptische Mumiensarg. Foto: epd
2000 Jahre alt ist dieser altägyptische Mumiensarg. Foto: epd
STEFANIE WALTER, EPD 15.08.2012
Ein Sarkophag aus Ägypten, Palmblätter mit den Lehren des Buddha - in einem Museum in Marburg kann man die Vielfalt der Religionen entdecken.

Besucher der Religionskundlichen Sammlung in Marburg benötigen eine exakte Wegbeschreibung: Oberhalb des Marktplatzes vorbei an der Weinstube und der Studentenkneipe "Pegasus", die Stufen hoch Richtung Landgrafenschloss. Dann liegt links hinter einem Torbogen das 440 Jahre alte ehemalige Gerichtsgebäude - ein "Schlösschen unterhalb des Schlosses", nennt es die Marburger Religionswissenschaftlerin Konstanze Runge. Dort befindet sich die Sammlung, ein "ungeschliffener Diamant", so Runge. Die Sammlung - die älteste in Europa - ist wenig bekannt, birgt aber Schätze. Mitarbeiterin Runge öffnet eine schwere Holztür: der Raum für die "erloschenen Religionen", zum Beispiel der Maya oder der Inka. Darin ein 2000 Jahre alter Sarkophag aus Ägypten. Noch nie restauriert strahlt er wie frisch gemalt. Wie in einem Comic wird erzählt, wie ein Opfertisch aufgebaut, der Tote gewaschen wird und die Organe in Krüge kommen.

Der Gründer der Sammlung, Theologe und Religionsphilosoph Rudolf Otto (1869-1937), brachte den Sarkophag von einer seiner Reisen mit. 1927 begann er mit seiner Sammlung. Runge hält seine Idee für revolutionär, denn Otto wollte erstmals Religionen anhand von Objekten veranschaulichen. Otto war weit gereist, nach China, Indien, Marokko und Japan. Viele Objekte stammen von ihm und seinen Nachfolgern. Die Religionskundliche Sammlung der Marburger Uni zählt zu den weltweit drei Sammlungen unter religionswissenschaftlicher Leitung. Zwar besitzen die Marburger 8000 Exponate, doch können sie aus Platzmangel nur etwa ein Fünftel ausstellen. Trotzdem besuchen jedes Jahr 1700 Menschen das Museum. Masken, Kultfiguren, Bilder, Ikonen, Hausaltäre - es gibt Gegenstände aus dem Judentum und dem Islam, aus dem Christentum, aus dem Raum des alten Mittelamerikas und aus Afrika. Der Schwerpunkt liegt auf den südostasiatischen Religionen. Konstanze Runge öffnet die nächste Tür - zum Buddhismus. In die Wand ist ein Relief eingelassen, das die vier Ausfahrten des Buddha, seinen Weg zur Erleuchtung zeigt. Das aus dem Jahr 800 stammende Original gehört zu einer Tempelanlage auf Java. Die Sammlung erwarb das Relief 1934. In einer Vitrine liegen originale Palmblätter, auf die Mönche die Lehren des Buddha schrieben.

Mission spiele heute keine Rolle mehr, sagt Runge: "Religionswissenschaft will die Religionen in ihrer Vielfalt zeigen und vermitteln, was in den Religionen an Werten gelebt wird." Dazu tragen Ausstellungen bei wie die aktuelle über Äthiopien, 2013 geht es um die islamische Glaubenspraxis. Mit Brettspielen, Gebetsteppichen für Kinder - und islamischen Barbiepuppen.