Kultur-Rekorde Die populärsten Filmfiguren

Ulm / Magdi Aboul-Kheir 29.08.2018

Superman oder Batman, Robin Hood oder Alice? Wer nachdenkt, welche Figur am häufigsten in Film oder Fernsehen aufgetreten ist, gerät rasch auf den Holzweg. Klar, die Comic-Helden, der Rächer der Enterbten und die Wunderländerin sind schon dutzendfach auf der Leinwand oder dem TV-Schirm aufgetaucht. Aber die Spitzenreiter unter den populärsten Figuren sind ganz andere.

Der amerikanische Journalist Erik Lundegaard hat sich vor fünf Jahren – auf Basis der Internet Movie Database – daran gemacht, eine Top-Ten-Liste zu erstellen. Vor allem auf dieser Recherche basieren die folgenden Zahlen. Wobei es gar nicht möglich sein dürfte, absolut exakte Daten zusammenzutragen. Zum einen gibt es nicht für alle Länder zuverlässige Quellen, zum anderen sind nicht alle (Kurz-)Auftritte populärer Charaktere etwa in Zeichentrickserien festgehalten worden. Es handelt sich also um Annäherungen – im Zweifelsfall hat Hamlet noch ein paar Mal mehr „Sein oder Nichtsein“ aufgesagt.

Denn was auch immer faul ist im Staate Dänemark, Shakespeares grübelnder Prinz liegt mit rund 200 Kino- und Fernseh-Auftritten auf Platz zehn – er ist damit die dritterfolgreichste literarische Figur. Zu den größten Film-Hamlets gehören Laurence Olivier (1948), Kenneth Branagh (1996) und Ethan Hawke (2000); dass auch Mel Gibson vor 18 Jahren in einem Film Franco Zeffirellis Hamlet gab, mag heute manchen verwundern.

Ein Präsident ist mit dabei

Wie schwer das mit genauen Zahlen ist, lässt sich an Sherlock Holmes zeigen. Guinness’ „Buch der Rekorde“ führt Arthur Conan Doyles Detektiv mit gut 70 Darstellern in mehr als 200 Filmen. Wikipedia listet derzeit 41 verschiedene Darsteller in Sherlock-Kinofilmen, 30 in TV-Serien sowie 27 in TV-Filmen auf. Und in Lundegaards Liste rangiert er mit 254 Auftritten auf Platz neun. Wie auch immer,  es gab schon lange vor der famosen BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch tolle Sherlocks, etwa Basil Rathbone (14 Filme), Christopher Lee und Robert Downey Jr.

Der für Geschichtenerzähler faszinierendste Präsident der US-Historie liegt mit mehr als 260 Auftritten auf Rang acht: Abraham Lincoln. Es sind oft gewichtige Filme, etwa John Fords „Der junge Mr. Lincoln“ (1939) mit Henry Fonda oder Steven Spielbergs Lehrstunde „Lincoln“ (2013), für die Daniel Day-Lewis seinen dritten Oscar gewann. Es gab aber auch weniger präsidiale Auftritte in Komödien wie „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“ (1989) oder gar im kruden Genre-Mix „Abraham Lincoln Vampirjäger“ (2012).

Letztgenannter Titel bietet eine gute Überleitung zur Nummer sieben: Dracula. Auf rund 280 Auftritte kommt Bram Stokers Gentleman-­­Blutsauger, er ist damit die am höchsten platzierte literarische Figur. Unvergessen sind Bela Lugosi und Christopher Lee, der den Untoten zehn Mal aufleben ließ. Wobei der transsylvanische Graf natürlich auch für Komödien („Liebe auf den ersten Biss“, 1979) und Sex-Filme („Dracula Sucks“, 1978) gut war.

Besonders das englische und amerikanische Kino haben eine Obsession mit Nazis. So kommt es, dass Adolf Hitler mit rund 300 Auftritten auf Platz sechs liegt. Vom Erzbösen bis zur Witzfigur ist alles dabei, von Alec Guinness („Hitler – Die letzten zehn Tage“, 1973) bis Anthony Hopkins („Der Bunker“, 1981). Im deutschen Kino reicht der Reigen von Bruno Ganz („Der Untergang“, 2004) bis Helge Schneider („Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“, 2007).

Die höchstplatzierte historische Figur ist jedoch eine andere: Napoleon. Erik Lundegaard hat 337 Auftritte gezählt, von Abel Gances Sechs-Stunden-Stummfilm (1927) über Rod Steigers Porträt in „Waterloo“ (1970) bis zu, erneut, „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“. Darin interessiert sich Napoleon aber vor allem für Bowling und Eisbecher.

Gott bei den Simpsons

Damit verlassen wir die irdischen Sphären. Rund 350 Mal trat Gott – hier ist die Formulierung mal völlig angemessen – in Erscheinung: Rang vier. Oft setzten Regisseure nur Stimme oder Feuer ein, um eine göttliche Präsenz zu verdeutlichen, aber es schlüpften durchaus bekannte Mimen in die Rolle. Unvergessen ist der charmante 81-jährige George Burns in „Oh Gott!“ (1977), und Morgan Freeman brachte in „Bruce Allmächtig“ (2003) Jim Carrey auf den rechten Weg. Auch bei den Simpsons schaute Gott mal vorbei.

Rang drei bleibt in der Familie: Dort ist Jesus zu finden. Wikipedia listet 36 Jesus-Darsteller von Max von Sydow („Die größte Geschichte aller Zeiten“, 1965) bis Ewan McGregor („Last Days in the Desert“, 2016) auf, aber die Zahl seiner Auftritte in Film und Fernsehen nähert sich 400 an. Wobei oft immer die gleiche Geschichte erzählt wird, aber das liegt in der Natur der Sache.

Auf erstaunliche 814 Auftritte kommt nach Lundegaards Zählung Santa Claus. Aber klar, kein amerikanischer Weihnachtsfilm kommt ohne den gütigen Geschenkboten mit dem Rentier-­Schlitten aus. Gleich dreimal hat Tim Allen den Weihnachtsmann in den sentimentalen „Santa Clause“-Komödien (1994-2006) gespielt, doch keiner dürfte rauschebärtiger als Richard Attenborough in „Wunder in der 34. Straße“ (1994) ausgesehen haben.

Und trotz dieser enormen Zahl ist der Weihnachtsmann nicht Nummer eins. Der absolute Spitzenplatz gebührt einer absoluten Figur: der des Bösen. Ja, der Teufel kommt auf gut 850 Kino- und Fernseh-Auftritte. Gespielt wurde er von richtig guten Schauspielern wie Robert de Niro in „Angel Heart“ (1987), wo er sich hinter dem Pseudonym Louis Cypher (sprich: Lucifer) versteckte, bis Al Pacino („Im Auftrag des Teufels“, 1997).

Der beste Teufel-Film dürfte nach wie vor der Schocker „Der Exorzist“ (1973) sein, am spektakulärsten sah der Beelzebub in „Legende“ (1985) aus: Tim Curry gab ihn als rotleuchtenden Satan mit Riesenhörnern. Zuletzt hatte er sogar eine eigene Fernsehserie: „Lucifer“. Wobei Hauptdarsteller Tom Ellis eigentlich viel zu attraktiv und nett ist. Aber für seine mediale Karriere muss auch der Teufel mit der Zeit gehen.

Serie über Superlative

Welcher Song wurde in der Pop-­Geschichte am häufigsten gecovert? Welche Figur tauchte in Kinofilmen oder im Fernsehen am häufigsten auf?  Mit solchen und weiteren „Kultur-Rekorden“ beschäftigen wir uns in einer Sommer-Serie.

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