Neu-Ulm / Helmut Pusch  Uhr

Diesen Tag kann man wohl getrost in den Kübel treten: Der Heidenheimer Kommissar Marco Fois ist gerade in den Urlaub gefahren, hat in Genua am Abend mit Freunden gefeiert, wacht mit dicken Kopf auf und wird von seinem Telefonino geweckt: Seine Mutter ist dran und bittet ihn, schnell in das kleine Dorf Civezza zu kommen. Dort sei ein Deutscher ermordet worden, einer aus der Clique seiner Eltern. Marco Fois winkt gleich ab, das sei die Sache der italienischen Kollegen. Als seine Mutter ihm aber erzählt, dass der Tote in Heidenheim wohnt, ist Fois klar: Das ist dann auch sein Fall. Fois fährt nach Civezza. Dort in Ligurien haben seine Eltern ihr Refugium – ein Kompromiss. Die Mutter ist Deutsche, der Vater stammt aus Sardinien. Aber auf einer Insel will Marcos Mutter nicht leben.

Der tote Deutsche wurde mit einer Armbrust erschossen. Vom Täter fehlt jede Spur. Kommissar Fois nimmt Kontakt mit seinen Kollegen zuhause auf, die von den italienischen Behörden um Amtshilfe gebeten werden. Und die finden schnell heraus, dass der Tote aus dem Osten stammt, vor der Wende in Thüringen als Spitzel für die Stasi gearbeitet hat.

Fois und sein Kollege Bernd Meier machen sich auf den Weg nach Thüringen und in die deutsch-deutsche Vergangenheit, stoßen auf Geschichten von  Unterdrückung, gegenseitigen Spitzeleien, Mauerschützen und deren Opfern.

Mit einem Sarden verheiratet

Eine Handlung, die sich von Ligurien über Heidenheim bis nach Thüringen und Oberfranken zieht? Damit ist das Etikett „Regionalkrimi“ endgültig obsolet. Und so prangt auf dem Cover des neuen Spannungsromans von Marita Ruess auch nicht mehr der Hinweis „Ein Alb-Krimi“ wie auf ihren ersten beiden Büchern, sondern nur noch das schlichte „Ein Kriminalroman“.  Und das wird den Büchern von Marita Ruess auch eher gerecht. Denn Regionalkrimis, die vor allem damit punkten, dass der Leser seine nähere Umgebung wiedererkennt, sind die Romane der Neu-Ulmerin, die mit einem Sarden verheiratet ist, nie gewesen. Sie punkten aber sehr wohl mit Sach- und Ortskenntnis. Denn sowohl Civezza als auch die thüringische und oberfränkische Landschaft entlang der Zonengrenze kennt die Autorin aus eigener Anschauung. Und das macht diesen Krimi zusätzlich lesenswert.