Tag eins nach dem Lockdown – und ins Museum Ulm kehrt das normale Leben zurück. Die Eingangstür ist wieder aufgesperrt, die Kasse besetzt, in den Räumen der Archäologie berichtet Kurator Kurt Wehrberger einer Handvoll Medienleuten von rätselhaften Steinscheiben aus dem Blautal. Aber ist das schon normal? Die Journalisten stellen ihre Fragen durch Gesichtsmasken. Die Kasse ist mit Plexiglasscheiben verhängt, am Eingang steht eine Pumpflasche mit Desinfektionsmittel. Das Museum ist bereit für den Betrieb unter den Bedingungen von Corona.

Seit Dienstag haben die meisten Museen in Ulm wieder geöffnet. Ein Tag der Erleichterung, aber auch ein Tag, der Fragen aufwirft. Die wichtigste: Werden die Besucher überhaupt kommen? Stefanie Dathe, Direktorin des Museums Ulm, hofft, dass Isolation und Homeoffice die Lust auf Kultur geweckt haben. „Das ist unsere Chance, dass man bei uns das Analoge, Echte, Einmalige erleben kann“, sagt sie kämpferisch. Und doch sei die Situation paradox: Jahrelang habe man dafür gekämpft, die Besucher anzulocken, jetzt müsse man sich unter Umständen des Besucherstroms erwehren. Auf dem Boden des Lichthofs ist ein Raster aus Punkten aufgeklebt, die das Abstandhalten erleichtern sollen. Was bei normalem Andrang allerdings kein Problem sein dürfte. Am Dienstag waren es zehn Menschen, die in das Museum kamen.

Ankunft von Leihgaben verzögert sich

Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Wochen auch die Arbeit im Museum erschwert. Archäologe Wehrberger bekam die Leihgaben aus dem Landesmuseum in Stuttgart erst vor zwei Wochen: Die Kollegen hatten den Leihverkehr zwischenzeitlich eingestellt. Ähnliche Probleme hatten die Volontärinnen Michaela Dempf und Viktoria Lea Heinrich, die eine Ausstellung zur Museumsgeschichte zusammengestellt haben. Ein in Weimar hergestelltes 3D-Modell der HfG Ulm liegt zum Teil noch immer dort, Touchscreens mussten sie weglassen. Auch die Medienstation zum Löwenmenschen am Eingang der Archäologie-Abteilung bleibt außer Betrieb, „aufgrund der hygienischen Vorschriften im Zusammenhang mit der Eindämmung des Corona-Virus“, verkündet ein Zettel bürokratisch.
Die Probleme sind für Direktorin Dathe noch längst nicht ausgestanden. Am 27. Juni soll die Ausstellung „Transhuman“ beginnen, aber die Leihgaben aus Frankfurt, Paris, New York oder Tokio sind noch nicht eingetroffen. „Das Einzige, was wir schon haben, sind Exponate aus Kolumbien“, sagt die Kunsthistorikerin und lacht. Museumsleute brauchen derzeit Humor und noch mehr Zuversicht.

„Landwirtschaft“ als Übergangslösung

Im Falle des Museums Brot und Kunst auch Improvisationstalent. Die eigentlich für das Frühjahr geplante Ausstellung „Sonja Alhäuser: Cupido“ hatte die Leitung frühzeitig auf Ende November verschoben. „Die Ausstellung nur sechs Wochen zu zeigen, ist mir zu schade“, sagt Direktorin Isabel Greschat. Nachdem am 4. Mai das Ende der Museumsschließungen verkündet wurde, musste kurzfristig Ersatz her. Unter dem Titel „Landwirtschaft“ zeigt das Museum Brot und Kunst nun im Foyer Gemälde aus dem Bestand. Eine Übergangslösung, die aufgrund von Kurzarbeit nicht anders zu realisieren war, sagt Greschat: „Wir wollten hier nicht eine leere Halle präsentieren.“ Dafür geht es vom 16. Juli an wie geplant mit der Ausstellung „Mäuse“ weiter.
Im Donauschwäbischen Zentralmuseum hat man weniger unter Corona gelitten. Die Ausstellung „Koffer-Geschichten“ läuft noch bis zum 4. Oktober. Die Mitarbeiter sind ohnehin damit beschäftigt, den für Ende des Jahres geplanten Umbau vorzubereiten. „Wir sind aus dem Arbeitsmodus nicht herausgekommen“, sagt Direktor Christian Glass. Trotzdem: Die ersten beiden Besucherinnen hat er persönlich mit einem Katalog empfangen. „Weil ich mich gefreut habe, dass sie gekommen sind.“

Nicht alle Häuser offen


Seit Dienstag können das Museum Ulm, das HfG-Archiv, das Donau­schwäbische Zentralmuseum und das Museum Brot und Kunst wieder besichtigt werden. Das Stadthaus startet seine Berblinger-Schau „Die Welt, ein Raum mit Flügeln“ erst am Freitag. Die Kunsthalle Weishaupt bleibt bis voraussichtlich Ende Mai geschlossen. Das Edwin-Scharff-Museum in Neu-Ulm kehrt am Donnerstag aus der Corona-Pause zurück.