Bregenz Die Mauer schmilzt

Mit China-Kitsch: „Turandot“ am Bodensee.
Mit China-Kitsch: „Turandot“ am Bodensee. © Foto: Bregenzer Festspiele/Karl Forster
Bregenz / LENA GRUNDHUBER 23.07.2016
Prächtiges Wetter für opulente Oper: Giacomo Puccinis „Turandot“ ist in der zweiten Saison bei den Bregenzer Festspielen zu erleben.

„Niemand soll mich je besitzen!“ An dieser Frau beißt sich jeder Mann die Zähne aus – und mancher beißt sogar für sie ins Gras: Turandot, die chinesische Prinzessin aus Giacomo Puccinis gleichnamiger Oper, lässt jeden Freier töten, der ihre Rätsel nicht lösen kann. Eine schier unüberwindliche Befestigungsmauer hat die Schöne um ihr Herz gebaut, etwa so massiv wie die Chinesische Mauer, die auch den Hintergrund des Bühnenbilds bei den Bregenzer Festspielen abgibt.

In der zweiten Saison ist dieses letzte Werk des Italieners (er selbst konnte es nicht mehr vollenden) nun auf der Seebühne am Bodensee zu sehen. Dichter, intensiver als zuletzt wirkte die leicht modifizierte Inszenierung von Marco Arturo Marelli diesmal – oder lag’s am glücklichen Wiederaufnahme-Wetter? –, musikalisch wunderbar gebettet in den Klang der Wiener Symphoniker und des Festspielchors mit dem Prager Philharmonischen Chor unter Leitung von Paolo Carignani.

Und optisch gab es wiederum das opulente Angebot aus Terrakotta-Armee, Feuerfackeln, Funkenregen, Akrobaten, fein abgestimmter Lichtregie und einer Drehbühne, die mit ihrem aufgeklapptem runden Screen auch Projektionsfläche für allerhand (China-)Kitsch bietet.

Natürlich bricht Prinz Calaf (Rafael Rojas) das Eis um die grausame Turandot (Mlada Khudoley); auch sängerisch hört man beim männlichen Helden allerdings einen Tick mehr stimmliche Arbeit heraus. Als eigentliche Prinzessin der Herzen reüssiert ohnehin wieder Dienerin Liù (Guanqun Yu). Selbstlos – und ergreifend singend – opfert sie sich für des geliebten Calafs Glück: Wer sich da kein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen muss . . .

Info „Turandot“ gibt es in weiteren Vorstellungen bis zum 21. August auf der Seebühne. Karten unter bregenzerfestspiele.com

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