Berlin Die Deutschen und ihr Wald im Museum

Romantik pur: "Waldeinsamkeit" von Eduard Leonardi (1887). Foto: dpa
Romantik pur: "Waldeinsamkeit" von Eduard Leonardi (1887). Foto: dpa
Berlin / ELKE VOGEL, DPA 02.01.2012
Von Mythen und falsch verstandenem Patriotismus geprägt ist die Geschichte von den Deutschen und dem Wald. Das

zeigt eine Ausstellung in Berlin.

"Unter Bäumen - Die Deutschen und der Wald" heißt die kulturhistorische Schau, die bis zum 4. März im Deutschen Historischen Museum Berlin zu sehen ist. Rund 550 Ausstellungsobjekte erzählen vom Verhältnis der Deutschen zum Wald, eine Geschichte, die nicht nur von romantischen Naturgefühlen geprägt ist.

Es geht um mehr als um Baumsterben, die Entwicklung der Forstwirtschaft und den Wald als Touristen-Ziel. Ende des 18. Jahrhunderts wird der aus römischen Quellen abgeleitete Begriff "Waldvolk" populär: die Deutschen als Volk, das seine Gegner aus dem Wald heraus erfolgreich bekämpft. Als Napoleons Truppen Deutschland besetzt halten, wird der Wald zum nationalen Symbol. Gemälde mit einsam im Wald gelegenen gotischen Ruinen und fiktiven Gräbern von Freiheitskämpfern beschwören alte deutsche Heldengeschichten.

Jahrzehnte später missbrauchen die Nationalsozialisten den Wald für ihre Propagandazwecke. In ihrer rassistischen Ideologie gilt der Wald als "angestammter Lebensraum", "Kraftquell" und "Andachtsstätte" des deutschen Volkes. Ein 1936 in Mittenwalde bei Berlin aufgenommenes Foto zeigt ein am Waldrand stehendes Schild mit der Aufschrift "Juden sind in unseren deutschen Wäldern nicht erwünscht".

Der Wald ist magischer Ort, wie die Märchen vermitteln, und Sehnsuchtsziel in Heimatfilmen wie "Der Förster vom Silberwald". Und das Lieblingsmotiv der Deutschen ist der röhrende Hirsch. Die Leidenschaft für die kitschigen Ölschinken ist allerdings keine rein deutsche Sache, wie die Ausstellung zeigt. Auch Engländer und Franzosen hängen sie sich über das Sofa.

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