London Deutschlands unberühmtester Kino-Star ist tot

London / DPA 31.12.2014
Zweimal in Folge gewann sie den Oscar, doch von Hollywood hatte sie bald genug. Mit 104 Jahren ist die deutsche Diva Luise Rainer nun gestorben.

Sie gewann in den 1930er Jahren als erste Schauspielerin gleich zweimal hintereinander einen Oscar, Albert Einstein bewunderte sie, und sie half Bertolt Brecht im Zweiten Weltkrieg nach Amerika. Doch Luise Rainer kehrte Hollywood bald den Rücken.

Vielen Menschen war ihr Name zuletzt kein Begriff mehr. "Deutschlands unberühmtester Hollywood-Star" wurde sie mal getauft. Doch in den 30ern spielte Rainer in der Top-Liga mit Film-Diven wie Greta Garbo. Weil sie aber nach wenigen Jahren keine Lust mehr auf das "Tamtam" in Hollywood und auf "idiotische" Filme hatte, drehte sie der Traumfabrik den Rücken.

Schließlich hatte Rainer schon eine Karriere am Theater in Deutschland und Österreich hinter sich. Sie kam 1910 in Düsseldorf zur Welt, wuchs in Hamburg und in der Schweiz auf. Ihre Mutter, eine Pianistin mit jüdischen Wurzeln, zeigte Verständnis für ihren Wunsch nach einer Karriere auf der Bühne - der Vater, ein Kaufmann, aber nicht. Rainer machte sich mit 16 Jahren heimlich auf nach Berlin, um beim legendären Max Reinhardt vorzusprechen. Zwar scheiterte sie, doch über Engagements in Krefeld und Düsseldorf gelangte sie später doch noch zu Reinhardt, der dann am Wiener Theater in der Josephstadt war.

Dort wurde sie vom Studio des Hollywood-Königs Louis B. Mayer, MGM, entdeckt und nach Amerika geholt. Alsbald nach ihrer Ankunft dreht sie 1935 ihren ersten Film "Escapade". Kurz darauf spielte sie in "Der große Ziegfeld" und bekam für die Hauptrolle einen Oscar. Im Jahr darauf holte sie die Trophäe für ihre Rolle als chinesische Bäuerin in "Die gute Erde".

Doch Rainer machte sich nicht viel aus dem Ruhm. Einen ihrer Oscars verwendete sie als Türstopper und schenkte ihn bei ihrem Umzug nach London einem Möbelpacker. In dieser Wahlheimat ist sie nun auch 104-jährig gestorben.