Ulm / CHRISTA KANAND Romantik pur mit Uni-Chor und Solisten in der Pauluskirche: Mendelssohns „Sommernachtstraum“-Singspiel und seine „Walpurgisnacht“.

Ruft da nicht schaurig eine Eule in den Nischen der Pauluskirche Kauz? Und dann ein Kuckuck? Düstere Männergestalten platzieren sich auf der Chortribüne, in Weiß mit roten Blumen und Gaze-Schals flattern Elfen-Scharen hinzu. Aus ihren Chorreihen schwebt eine Ballett-Elfe (Daniela Keller, eine junge Chirurgin) in Sprüngen und Drehungen über Hannes Kalbrechts Flügel. In Traumwelten von Felix Mendelssohn Bartholdy entführte der bestens disponierte Universitätschor Ulm  unter Albrecht Haupt mit erstklassigen Gesangssolisten zum Semesterabschluss: malerisch, Romantik pur.

Ein Geniestreich gelang dem erst 17-jährigen Mendelssohn mit der Ouvertüre (op. 21) zu Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“. 1842 schuf er daraus ein Singspiel. Allerdings blieben die daraus gewählten Szenen, in denen Sprechpassagen die Handlung bis zum Happy  End  („Bei des Feuers mattem Flimmern.?.?.“) vorantrieben, trotz stimmprächtiger  Chor-Elfen, Vera Hiltbrunner als glockenreiner Sopran-Elfe und Denise Seyhan als „Titania“ mit fülligem Mezzogold, etwas blass. Logisch, dass bei dem Stück mit dem weltberühmten „Hochzeitsmarsch“ die Klavierfassung anstelle Orchester nicht ganz zu den erwarteten Hörerlebnissen führte.

Ein anderes Kaliber war dagegen nach dem Wohlklang des   A-cappella-Chorlieds „O Täler weit, o Höhen“ das Hauptwerk des Abends: Mendelssohns fesselnde Vertonung von Goethes „Die erste Walpurgisnacht“. Die Chor-Kantate zum Hexentreffen mit Teufelsspuk und  monumentalem Chor der Wächter, „Kommt mit Zacken und mit Gabeln“, ließ keinen der 350 Zuhörer kalt.

Haupt gelang es ungemein gut, Pastorales,  Klage- und Hexenmusik mit Gefühl für den dramatischen Aufbau zu schildern. Virtuos gestaltete Kalbrecht den komplexen Klavierpart, die etwa 80 Choristen waren mit Verve, Klangsinn und Stimmglanz ganz auf der Höhe. Erst recht die sinnenfrohen Solisten. Neben Mezzosopranistin Seyhan glänzten  Reto Rosin (Tenor) und Santiago Garzon (Bass), die ihren Rollen größtmögliche Eindringlichkeit verliehen. Hie und da lichtern Freischütz-Anklänge durch die Partitur und weisen mit Wagner-Vorausahnungen den Weg zum hymnischen Schlusschor „Dein Licht, wer kann es rauben?“ Blumen und heftiger Applaus.