Kulturerbe Der Ukraine-Konflikt in Amsterdam: Wem gehört das Gold der Krim?

Amsterdam / dpa 14.12.2016

Irgendwo in den Niederlanden liegt ein kostbarer Goldschatz: ein 2400 Jahre alter skythischer Helm, wertvolle chinesische Lackkästchen aus der Han-Dynastie von der Seidenstraße, filigrane Broschen, Juwelen und eine goldene Schwert-Scheide. Alles ist sorgsam verpackt und sicher untergebracht an dem geheim gehaltenen Ort – bis klar ist, wer der Eigentümer ist. Das muss am Mittwoch ein Amsterdamer Gericht entscheiden.

Anfang 2014 war alles eindeutig. Das Amsterdamer Allard Pierson Museum hatte mit vier Museen der Krim und einem in Kiew einen Leihgabe-Vertrag geschlossen. Die Kunstschätze wurden in Amsterdam in der Ausstellung „Die Krim: Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“ gezeigt.

Was man geliehen hat, gibt man zurück. Das schien im Februar ganz selbstverständlich. Doch nur wenige Wochen später war alles anders. Russische Soldaten marschierten auf der Krim ein, ein Referendum folgte, Russland annektierte die Halbinsel. Damit wurden plötzlich die  kostbaren Objekte zum Streitfall. Unbestritten ist auf jeden Fall: Sie sind Staatseigentum. Nur von welchem Staat?

Das archäologische Museum in Amsterdam war in der Zwickmühle. An wen musste es das Gold nach Ende der Ausstellung im August 2014 zurückgeben? Die Museen der Krim erinnerten das Museum an seine vertraglichen Verpflichtungen. Doch auch Kiew beanspruchte die Objekte als Staatseigentum. Und Russlands Kulturminister Wladimir Medinski sagte, eine Entscheidung für Kiew wäre „reiner Diebstahl“.

Wer schloss den Leihvertrag?

Das Kulturerbe der Krim ist für das Amsterdamer Museum wie eine „heiße Kartoffel, die nun in seiner Kehle steckt“, spottete der Anwalt der Ukraine, Maarten Sanders, vor Gericht. Dabei sei das unnötig. „Das Ursprungsland des Goldschatzes ist die Ukraine.“ Nach Unesco-Verträgen über Kulturerbe müsse er nach Kiew, solange die Krim besetztes Gebiet sei. Auch hätten die Museen der Krim an der Besatzung mitgewirkt und „sich sogar neu als russische Museen gründen lassen“.

Das bestritt der Anwalt der Krim-Museen, Michiel van Leeuwen. „Die Museen sind neutral, sie mussten russisch werden, sonst kriegen sie keine Subventionen.“ Das Kulturerbe gehöre zur Krim.

Die Richter müssen nun die ukrainischen Gesetze über Kulturerbe interpretieren und klären, in welchem Namen die Museen den Leihgabevertrag mit dem Amsterdamer Museum geschlossen hatten. Hat damals der ukrainische Staat entschieden oder die Museen selbstständig?