Seit der hitzigen Diskussion, ob sie denn bei ihrem Debüt „Axolotl Roadkill“ (2010) nun ein Plagiat vorgelegt habe oder nicht, genießt Helene Hegemann den eigentümlichen Status einer postpubertären Pop-Revoluzzerin. Sie verkörpert die junge Wilde, die genau weiß, was im Inneren der U-20-Jährigen so abgeht – ja, wer eine zu hohe Dosis ihrer Texte zu sich nimmt, verfällt leicht ihrem Jugendslang, der auch ihren neuen Roman „Bungalow“ dominiert.

Wieder haben wir es mit einer jungen Protagonistin zu tun, die in Umständen lebt, wie man sie heute am ehesten im nachmittäglichen Hartz-4-TV wahrnimmt: Verwahrlosung zwischen Alkohol und Zigarettenrauch und bitterste Armut. Während ihre Mutter säuft, windet sich die Ich-Erzählerin durch den Schulalltag, versucht den häuslichen Morast durch Ausreden zu verschleiern. Die Zeit vergeht in einer zähen Gleichgültigkeit, bis die Zwölfjährige das luxusverliebte Schauspielerpärchen Georg und Maria entdeckt. Es entwickelt sich eine verhängnisvolle Obsession, in der sich die Sehnsucht nach Geborgenheit mit sexuellen Fantasien vermischen wird.

Was dieser Roman in den Blick nimmt, sind die sozialen Spaltungsprozesse der Spätmoderne. In dem Viertel von Hegemanns depressiver Heldin treffen Zeilenbauten auf smarte Bungalows. Die einen haben den Reichtum, die anderen die Verzweiflung: „Die Milliardäre und wir teilten uns dieselben Parkplätze und Grünstreifen, trotzdem klaffte zwischen uns ein tiefer Abgrund.“ Wie das Leben aussieht, wenn eine Woche vor Ende des Monats das Geld nicht mal mehr für den Discounter reicht, vermag die 1992 geborene Autorin sehr plastisch zu schildern. Sie reiht sich mit Heinz Strunk oder Sven Regener in jene Riege von Autoren ein, die verstärkt den Fokus auf die prekären Ränder der Gesellschaft gerichtet haben, indem sie den Vergessenen und Mittellosen ihre Stimme leihen.

So glaubwürdig Hegemann auch die heruntergewirtschafteten Verhältnisse zu dokumentieren weiß – über ihr hilfloses Bemühen, Struktur und Stringenz in ihren Text zu bringen, kann sie jedoch nicht hinwegtäuschen. Unzählige Abschweifungen und Nebenschauplätze  verbinden sich mit ermüdenden Klischee-Szenen über Drogenkonsum, Fernsehprogramm und Voyeurismus zu einem Adoleszenzroman, der uns auf jeder Seite mitteilt: Seht her, ihr Unbelehrbaren, so trist und verloren ist mein Dasein! Selbst wenn der Autorenname auf dem Buchdeckel wie eine Must-have-Marke anmutet, sei daran erinnert: Nicht immer hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht.