Sprachkünstler Dodokay präsentiert seinen ersten abendfüllenden Film

Leonberg / Claudia Reicherter 29.08.2018

Hä? Wie jetzt? Echt? Mit der Bemerkung „Bei uns gibt’s keinen Gelben Sack“ bringt ein Fan Comedian Dominik Kuhn, besser bekannt als Dodokay, tatsächlich kurz aus dem Konzept. Spielt das „Gelbe-Sack-Nausschdella“ als Teil urschwäbischer Leitkultur doch in seinem ersten abendfüllenden Film, der am Dienstag im Leonberger Traumpalast-Kino als Preview gezeigt wurde, eine tragende Rolle – neben Gert Fröbe und dessen bislang unbekannter Vorliebe für Leberkäs-Weckla.

Premiere war ausverkauft

Der Leonberger Fan hat „Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse“ soeben im vollbesetzten „Smaragd“-Saal des Kinopalasts vor den Toren der Stadt gesehen, sich in die lange Schlange der Autogramm- und Promi-Selfie-Sammler gereiht und überrascht nun mit seiner trockenen Info den Käppi- und Bartträger, der als Gag mal das Schimpfwort „Grasdackel“ beim deutschen Patentamt als Marke anmelden ließ: „Ich hab jetzt offiziell das Patent auf ,Grasdackel’. Wenn das einer sagt, weil sein Rasenmäher nicht anspringt, den klag’ i ins Nirvana!“, scherzt Dodokay. Verdutzt ist der Mann, der als natürlich quirliger „Bua“ durchgeht, obgleich er nächstes Jahr 50 wird („Jetzt ben i au bald an alder Sack!“), aber nur kurz. Dann heißt es wieder routiniert: „Trockna lassa, sonscht verschmiert’s! Foto?! Send’er bereit? . . .“

Da zeigt sich, dass der Sohn eines Mittelstädters und einer Spaichingerin, der in einem Dorf bei Reutlingen aufwuchs, sich aber „keineswegs als schwäbischer Vorzeige-Botschafter“ versteht, seit mehr als zehn Jahren zunehmend im Licht der Öffentlichkeit steht: mit Youtube-Ulk-Synchronisationen eines Reutlinger-Schwäbisch schwätzenden Darth Vader, Bruce Willis und Barack Obama. Hobbymäßig entstanden, doch professionell produziert, machten die ihn zum frühen, dem Urheberrecht trotzenden deutschen Click-König.

Dodokay ist Multitalent

Später wurde auch das Gesicht des 48-Jährigen bekannt: Als Schauspieler war er in der in Bad Urach gedrehten Fernsehserie „Laible und Frisch“, in der Kino-Komödie „Die Kirche bleibt im Dorf“ und neben Walter Schultheiß in „Global Player“ zu sehen. Dazu tourt er seit Jahren mit Live-Comedy-Shows.

Wenn ein Kinobesucher lobt, „Der Film isch der Hammer!“, gesteht dessen Remix-Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, alleiniger Sprecher und Geräuschemacher, er selbst könne das gar nicht mehr beurteilen – nachdem er elf Jahre das Projekt eines Synchro-Kinofilms verfolgt und drei Monate lang nach der Arbeit für seine Filmproduktionsfirma die Abende im Studio verbracht hat. Manchmal denke er nach all den Stunden allein vor dem Mikro, er werde „a bissle schizo“. Das Gute an derartigem Einzelgänger- und Studiohockertum: Dank vielfältiger Erfahrungen als Veranstaltungstechniker, Radio-Moderator, DJ und Filmemacher kann er solch einen Film ohne Fördergeld, mit einem Team von nur fünf Leuten, machen. „Des schbart Asche wie die Sau!“ So wartet er nun gespannt, aber gelassen die Einspielergebnisse ab.

Klassiker witzig dialektal neu erzählt

Das kann er getrost, denn der selbsternannte „schwäbische Synchro-Grasdackel“, der so viele Stimmen imitieren und Gesichter ziehen kann, hat Fritz Langs letzten Kinofilm ordentlich umgeschnitten, um zwölf Minuten gekürzt und dafür um nächtens am Reutlinger Landratsamt und dem Stuttgarter Polizeipräsidium gefilmte Szenen erweitert. Er erzählt die Geschichte des deutschen Proto-Schurken mit schönen Running Gags witzig dialektal neu. Und unterlegt sie mit temporeich-glamourösem Disko-Pop des von ihm hochgeschätzten jungen Filmmusikkomponisten Dennis Le Rose aus Bad Oeynhausen. Es sei nicht Langs bester Film, meint der Reutlinger, der schon „Die Simpsons“-Cartoons und jüngst für den Panini-Verlag ein „Deadpool“-Comic auf Schwäbisch übersetzt hat.

„Dr. Mabuse“ hatte mehrere Vorteile

Dass er sich dennoch für „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ als Vorbild für seinen ersten Langfilm entschied, ist einem Zufall geschuldet: Produzentin Alice Brauner outete sich als Fan und gab ihm sämtliche künstlerischen Freiheiten, sich im von ihrem Vater Artur Brauner gegründeten CCC-Filmkunst-Portfolio nach Material umzusehen und dieses zu bearbeiten. „Der Film hat mehrere Vorteile“, sagt Dodokay, „den grandiosen Gert Fröbe, die eingeführte Marke Mabuse – und dass die Charaktere die ganze Zeit labern.“ Das sei etwa bei „Winnetou“ anders. Einziger Nachteil: „Gert Fröbe lebt nicht mehr, wer läuft also über den Roten Teppich? Keiner.“

Bei der Frage nach löblichen Errungenschaften der Schwaben wird der Spaßmacher, der fließend Englisch und Niederländisch spricht, ernst. Kehrwoche, Maultaschen, Vesperbrote? Bitte keine Klischees: „Wenn du einen Schwaben als Freund gewinnst, ist das ein richtiger Freund.“

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Premierenfeier zum Kino-Start heute in Stuttgart

Hunderte Fans haben „Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse – Im Internet hört di koiner schreia“ schon gesehen. Bei Open Airs und Previews wird der Film seit Juli gezeigt. Doch erst heute ist die Premiere zum Deutschland-Start im Stuttgarter Gloria-­Kino, wo am 14. September 1960 auch Fritz Langs Vorlage  „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ uraufgeführt wurde. Der spannende, witzige Thriller läuft in 62 Kinos an – in Baden-Württemberg, aber auch in Hamburg, Wuppertal, Berlin.

Dodokay reist danach weiter durchs Land: morgen, Freitag, stellt er seinen Film in Tübingen (Kino Museum, 18 Uhr) und Reutlingen (Cineplex Planie, 20.30 Uhr) persönlich vor, am Sonntag in Mössingen  (Lichtspiele, 20.15 Uhr), am 3. 9. – Gert Fröbes 30. Todestag – in Nürtingen und Esslingen, am 4. in Stuttgart und Sindelfingen, am 5. in Schorndorf und Waiblingen und am 14. 9. im Rottenburger Kino Waldhorn.

Mit „Genau mein Ding!“ ist Dominik Kuhn von 23. Oktober 2018 bis November 2019 wieder auf Live-Tour. Der Auftakt in Hechingen ist schon ausverkauft, enden wird die Tour in Sigmaringen, Termine: www.dodokay.com

Ein Video vom Interview in Leonberg finden Sie im Internet: www.swp.de/dodokay

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