Festival Das Cello steht im Mittelpunkt

Dietrich Bretz 18.06.2018

„Spiegel“ lautete das Motto der 41. Dresdner Musikfestspiele. bei denen mehr als 1500 Künstler bei annähernd 70 Veranstaltungen das Thema in Klänge wandelten. „In der Musik spiegeln sich Emotionen und Gedanken, unser Wertesystem und unsere Visionen“, sagte Intendant Jan Vogler. Zudem hatte Vogler, der selbst ein renommierter Cellist ist, angeregt vom „Jahr des Violoncellos“ mit der Reihe „Cellomania“ einen besonderen Schwerpunkt gesetzt. Mehr als 20 der besten Cellovirtuosen der Gegenwart bestritten da in Soloabenden oder bei Auftritten in unterschiedlichen Formationen gleichsam ein Festival im Festival.

Gleich im Auftaktkonzert der Festspiele mit der von Hartmut Haenchen geleiteten Königlichen Kapelle Kopenhagen  stand mit Dmitri Schostakowitschs selten aufgeführtem 2. Cellokonzert eines der gewichtigsten Werke der Celloliteratur im Mittelpunkt.Und Gastgeber Vogler hatte den Solopart übernommen, dessen introvertierten Charakter im Kopfsatz er mit den dänischen Musikern ebenso intensiv ausleuchtete wie den burlesken Tonfall in den Allegretto-Sätzen.

Lange Nacht

Bei diesem Cellofestival durften selbstredend Bachs sechs Suiten für Cello nicht fehlen. So facettenreich die Ausdruckscharaktere der Suiten, so unterschiedlich die Interpretationen der sechs Virtuosen – unter ihnen Alban Gerhardt, Christian Poltera und Alisia Weilerstein. Weitere Highlights: Die Soiree zum 70. Geburtstag der Cello-Legende Mischa Maisky und die „Lange Nacht des Cellos“ mit 17 Spitzencellisten.

Ein spannendes Konzert präsentierte die von Paavo Järvi geleitete Sächsische Staatskapelle. Zum Auftakt Arvo Pärts „Swansong“, der auf einer Motette für Chor und Orgel auf Worte des irischen geistlichen John Henry Newman beruht. Eine mit ihrer religiösen Aura berührende Tondichtung, die die Staatskapelle sensibel ausdeutete. Im Zentrum stand das Violinkonzert des polnischen Juden Mieczysław Weinberg (1919-1996), dessen leidvollen biografischen Stationen sich in der Motorik des Kopfsatzes zu spiegeln scheinen. Ein Glücksfall, dass der Ausnahmegeiger Gidon Kremer dafür als Solist gewonnen werden konnte, der die ruhelosen Passagen ebenso wie die verschatteten und innigen Teile und letztlich auch den verheißungsvollen Tonfall im Finale nuanciert ausformte.

Als Schlusspunkt hatte der Dirigent Jean Sibelius’ „Lemminkäinen Suite“ gewählt. Eine nordische Heldensage, deren Klangreichtum Järvi mit der Staatskapelle differenziert auslotete.