Der Abend bewegte sich zwischen dem Jahre 960, als die Dänen durch die Taufe des Königs Harald Blauzahn zu Christen werden – und dem Jahr 2001, als Otto Waalkes „Dänen lügen nicht“ singt. Kein Programm-Leporello der Ludwigsburger Schlossfestspiele ohne einen originellen Zeitstrahl: Das Spiel des viel gerühmten Danish String Quartet lässt sich tatsächlich nicht so einfach mit den üblichen Genre-Epochen datieren. Diese Wikinger – blondrot vollbärtig oder mit Sturmfrisur – bieten gerne vor der Pause Klassik und danach skandinavische Volksmusik. Das mischt das Publikum auf, das sorgt unterhaltsam für Abwechslung in der oft berechenbaren Kammermusik-Szene. Und das tat besonders gut im Ordenssaal des Ludwigsburger Residenzschlosses, wo das barock herrschaftliche Repräsentations-Dekor den Zuhörer fast betäubt.

„Last Leaf“ (letztes Blatt) heißt die aktuelle CD der drei Dänen Rune Tonsgaard Sørensen, Frederik Øland (Violinen), Asbjørn Nørgaard (Viola) und des norwegischen Cellisten Fredrik Schøyen Sjölin mit traditionellen skandinavischen Weisen und Tanzliedern (erschienen bei ECM). Und wie bei vielen nordischen Musikern und Komponisten erinnern die Klänge in ihrer herben und religiösen Schönheit, aber auch angesichts ihrer formelhaften, rituell-phrasenhaften Melodiösität fast an glühende Minimal Music.

Derart eingestimmt, sorgte Ludwig van Beethovens Streichquartett op. 132 übergangslos nach einem kurzen Bach-Anspiel aus dem „Wohltemperierten Klavier“ (Nr. 16 aus Band I) für entsprechende Assoziationen. „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit“ ist der dritte Satz überschrieben. Tatsächlich mit „innigster Empfindung“ baute das Danish String Quartet den mehrmals wiederkehrenden lydischen Choral auf. Respektvoll, klangbewusst – eine Musik auch für die nordische Kirche. Die vier Musiker zeigten sich eher als demütige Beethoven-Pilger denn als Stürmer und Dränger. In anderen Sätzen hätten sie noch kraftvoller zupacken dürfen.

Aus der Reserve gelockt

Dann nach der Pause Folkmusik aus Skandinavien – ein „Programm nach Ansage“. Was ebenfalls ein gutes Mittel ist, das klassische Klassik-Publikum aus der Reserve zu locken: mit fröhlich humorvoller Moderation (die Sørensen übernahm). Helle und dunkle Töne, lustige und melancholische Stimmungen, Polkas, Walzer, Märchenhaftes. Nichts wirklich Großes, ein kleiner Stücke-Reigen, aber fein gesetzt für Streichquartett, mit Anspruch, ernst. Das Publikum bejubelte, ungelogen, die Dänen euphorisch.