Stuttgart Cro begeistert 6500 Zuhörer bei den Jazz Open

Starke Show: Cro.
Starke Show: Cro. © Foto: Udo Eberl
Stuttgart / UDO EBERL 19.07.2016
Starker und großformatiger Auftritt des Rappers Cro bei den Jazz Open in Stuttgart unterstützt von Spitzenjazzern, Streichern und Big Band – zurecht massiv bejubelt.

Da kann man bei den Stuttgarter Jazz Open als Bühnenkünstler schon mal nervös werden. In der Programm-Mitte zwischen Legenden wie David Gilmour und Santana platziert und einem Jamie Cullum, der bekanntlich mit dem Entertainer-Gen gesegnet ist: Aber schlussendlich landete der Rapper Cro mit der in Richtung Jazz getrimmten Version seiner „MTV Unplugged“-Show einen richtigen Coup und machte einen weiteren Schritt nach vorne.

Von wegen nur Tanz-Panda für den Rap-Kindergarten. Der Beste-Laune-Bär gab auf dem ausverkauften Stuttgarter Schlossplatz vor 6500 Fans den Easygoing-Souverän und Groovemaster.

Hinter der Maske arbeitet es immer mächtig, nur kein Stillstand, neue Herausforderungen angehen, musikalisch und als Designer, weiter wachsen, trotzdem auch die jungen Fans auf dem Erfolgsweg mitnehmen – hin zum nächsten Album und zum im Herbst anstehenden Kinofilm „Unsere Zeit ist jetzt“. Carlo Waibel, 26, ließ sich beim Heimspiel in Stuttgart, nur 850 Meter Fußweg vom eigenen Bett entfernt, tragen – von den euphorischen Fans, einer erstklassigen Bigband, die von Streichern verstärkt war, und Solisten der Extraklasse.

Die den Bären anhimmelnden weiblichen Fans und dauerhaften Handy-Hochhalter kamen genauso auf ihre Kosten wie Musikgenießer mit gewachsenen Ansprüchen. Schließlich kann Cro auch „New York, New York“ mit feinem Swing und leichtfüßig zelebrieren oder Christian Scott, dem Weltklasse-Jazztrompeter, den nötigen Raum verschaffen. Zunächst im eigenen Song „Cop Love“, dann im mächtig langen Instrumentalstück „West of the West“, in dem der Rapper am Wurlitzer-Piano mitmischt und der Saxophonist Lutz Häfner ebenfalls seinen großen Auftritt im „Headhunters“-Jazzrock-Sound bekommt. Für die jungen Zuhörer wohl etwas volkshochschulartig, aber allemal sehr stark. Und schließlich ist auch Scott ein cooler Typ.

Von wegen „Never Cro Up“, die musikalische Kiste wächst weiter und weiter an diesem Abend und dem Rapper niemals über den Kopf. Der Cellist Dana Leong, der bereits das Vorprogramm bestritten hat, streicht munter mit, die große Sause mit dreistöckiger Bühne ist in vollem Gange.

Allein beim „Turn Up“-Teil mit Musik allein vom DJ scheint kurz einmal trotz drückender Bässe die Luft kurz ein wenig raus zu sein. Doch Cro hat für den langen Zugabenteil noch reichlich Live-Trümpfe im Ärmel. Bei „Lange her“ steht mit Max Herre ein weiterer Heimspieler vor der überdimensionierten Bühnen-Puppenstube und nimmt die Stuggi-Gemeinde fassbar in die  Arme. Und mit den Hits „Bad Chick“, „Traum“ und dem leicht jazzig eingefärbten „Easy“ geht’s am Ende sowieso voll ab. Eine starke Show im Nonstop-Format. Cros Kino ziemlich mega, das Gegenteil einer Light-Show. Alles easy und doch mit reichlich Power. Seine Zeit ist jetzt.

Info 36 000 Besucher haben die 23. Jazz Open erlebt, 97 Prozent der Karten waren verkauft. Das ist nach Angaben der Veranstalter Zuschauerrekord.

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