Ausstellung Cornelia Schleimes, die Frauenversteherin

Großformat im Schloss: Cornelia Schleime.
Großformat im Schloss: Cornelia Schleime. © Foto: Gerda Meier-Grolman
Ehingen / Burkhard Meier-Grolman 21.07.2018

Diese abenteuerliche Lebens- und Leidensgeschichte der Cornelia Schleime, wie sie damals in der DDR als oppositionelle Künstlerin drangsaliert, von engsten Freunden an die Stasi verraten und verkauft wurde, das sollte man in der Galerie Schrade im Schloss Mochental einmal so gut es eben geht außen vor lassen und sich ganz auf die dort angebotene Malerei konzentrieren. Denn hier kommt einem eine Frauenversteherin entgegen, wie man sie in der stark figurativ betonten Kunstabteilung unserer jüngsten Moderne selten antreffen wird.

Gut, da gibt es hierzulande etwa Rosemarie Trockel und drüben in Österreich sicherlich Maria Lassnig oder Xenia Hausner. Die setzen sich in nahezu allen ihren Arbeiten mit der eigenen Psyche oder mit den Befindlichkeiten ihrer Geschlechtsgenossinnen auseinander, um sich schlau zu machen, welchen Emotionsschüben die weibliche Seele eigentlich ausgesetzt ist und welche Verhaltensmuster sich daraus ableiten lassen.

Zunächst einmal wird man von Cornelia Schleime (1953 in Ost-Berlin geboren) aber auf die falsche Fährte gelockt. Ihre großformatigen Frauenköpfe – ob nun als Tusche und Aquarell auf Bütten oder in Acryl und Schellack auf Leinen – schweben meist in einer Sphäre, die jenseits aller Alltagstristesse angesiedelt ist und in denen der Bezug zur schnöden Wirklichkeit schnell verloren geht. Man befindet sich sozusagen auf romantischem Terrain. Lustgefühle und Träumereien sind erlaubt, ausgiebige Selbstbetrachtung und die Erforschung der eigenen Körperlichkeit gehören hier zum Pflichtprogramm, Ausflüge in utopische Gefilde und Zukunftsphantasien sind zugelassen.

 Dabei werden die rund um die Schleime-Frauen wabernden Caspar-David-Friedrich-Szenerien mit einer solchen malerischen Raffinesse vorgetragen, dass man sich nur allzu leicht in diesen ästhetischen Delikatessen verliert und dabei die immer mitgelieferte Seelenanalyse der betrachteten Person links liegen lässt. Was auch nicht schlimm ist, denn diese Damen sind mit einem großen Selbstbewußtsein ausgestattet, sie schauen uns direkt in die Augen, lähmen unseren Widerstandsgeist und ziehen uns in ihren Bann.

Wenn sie dann noch von Friedenstauben umflattert werden, wenn Hirschgeweihe aus ihren Köpfen wachsen oder sie in der Gefolgschaft von Schildkröten durch die Lüfte fliegen, sind wir hin und weg und werden jedem, der irgendetwas an Cornelia Schleimes Arbeit herumzumäkeln und zu bekritteln hat, umgehend den Finger auf den Mund legen.

Info Bis 2. September in der Galerie Schrade Schloss Mochental; Di-Sa 13-17 Uhr, So 11-17 Uhr.

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