Popmusik Bukahara: Der Geist der weiten Welt im Roxy

Ulm / Christoph A. Schmidberger 06.11.2018

Max von Einem, bei Bukahara der große Wuschelkopf mit Posaune, bewies Selbstironie, als er die Großen aufforderte, die Kleinen nach vorne zu lassen. Früher gab es solche Probleme nicht. Da flätzten sich Konzertgänger auch gemütlich auf dem Boden, besonders wenn es ruhig und stimmungsvoll wurde. Heute steht man selbst bei den sehr entspannt musizierenden Tijuana Cartel von der australischen Gold Coast. Das nach einem mexikanischen Drogenkartell benannte Trio eröffnete mit einer lateinamerikanische und orientalische Einflüsse verarbeitenden Melange aus Ethno-Perkussion, Electro-Beats und Flamenco-Gitarre für die Hauptattraktion Bukahara, die 550 Besucher ins Roxy lockte.

Dem Ulmer Publikum sind die vier Kölner von 2017 bekannt, als sie im Roxy zum „Tanz in den Mai“ spielten. Sie brachten wie ihr Anheizer den Geist der weiten Welt in die Werkshalle. Schon „Opposite“, eine von drei brandneuen Kompositionen, machte die Alles-ist-möglich-Haltung der Band deutlich.  Swing, Folk und Reggae trafen auf arabische oder balkanische Rhythmen, manchmal auch alles zur gleichen Zeit.

Keine Schublade

Bukahara ist so eine Band, die sich kaum in Schubladen packen lässt. Manchmal zu viel Pop, um als Underground-Phänomen durchzugehen, dann zu hip und musikalisch zu ambitioniert, um die große Masse ansprechen zu können. Soufian Zoghlami (Gesang, Gitarre, Schlagzeug), Max von Einem (Posaune, Sousaphon), Ahmed Eid (Bass) und Daniel Avi Schneider (Geige, Mandoline) wissen genau, was für bunte Klänge sie kreieren wollen und wie sie das am besten anstellen.

Drei der Musiker kennen sich vom Jazz-Studium in Köln. 2009 gründeten sie Bukahara und spielten mittlerweile drei Studioalben ein, „Phantasma“ (Bml Records/Sony Music) erschien im Vorjahr. Schneider sang daraus das deutschsprachige „Vogel“. Für die mit rauchiger Stimme vorgetragenen englischen Texte, wie etwa das munter drauflos hoppelnde „Child’s Tale“, musste Zoghlami ran. Er ist einer der seltenen singenden Schlagzeuger wie einst Dennis Wilson von den Beach Boys oder Levon Helm von The Band. Mitunter spielte er Akustikgitarre, während er sich selbst an der Basstrommel begleitete.

Der im Westjordanland geborene Ahmed Eid wechselte für „Wein a Ramallah“ vom Bass zur Darbuka, einer arabischen Trommel. Das flotte Stück machte einfach Lust auf mehr. Leider drückten Bukahara nicht immer so aufs Tempo. Nur in der zweiten Hälfte von „Eyes Wide Shut“, der letzten Zugabe des Abends, ging noch mal richtig die Post ab.

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