Bremen Bremens Alt-Bürgermeister Hennig Scherf macht „Terror“ auf der Theaterbühne

Henning Scherf als Richter in Ferdinand von Schirachs „Terror“.
Henning Scherf als Richter in Ferdinand von Schirachs „Terror“. © Foto: dpa
Bremen / MAGDI ABOUL-KHEIR 20.05.2016
Viele Bühnen zeigen gerade das Theaterstück „Terror“. In Bremen hat Ex-Bürgermeister Scherf die Rolle des Richters übernommen.

Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger haben es vorgemacht: Schauspieler können durchaus auch Erfolg als Politiker haben. Doch funktioniert das anders herum genauso? Mit 77 Jahren versucht sich jetzt Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf auf einer Theaterbühne. Er spielt die Rolle des Richters in Ferdinand von Schirachs Erfolgsstück „Terror“. Die Zuschauer finden: Das passt zu ihm.

Zehn Jahre lang regierte der SPD-Politiker im Bremer Rathaus – und eben dort ist die Premiere von „Terror“. Scherf ist der einzige Laie unter den sieben Darstellern und spielt gleich eine der Hauptrollen. Zu Anfang steht er ganz allein auf der Bühne. Mit tiefer, raumgreifender Stimme führt er die Zuschauer in das Gerichtsdrama ein, in dem diese am Ende entscheiden müssen: Soll der Angeklagte verurteilt oder freigesprochen werden?

„Terror“ ist das erste Theaterstück von Ferdinand von Schirach, der mit Kurzgeschichten über seine Arbeit als Strafverteidiger berühmt wurde. In dem Stück steht ein Kampfpilot der Bundeswehr vor Gericht. Er hat eigenmächtig ein Passagierflugzeug abgeschossen, das ein Terrorist entführt hat, der es in ein voll besetztes Fußballstadion stürzen lassen wollte. 164 Passagiere sterben, dafür sind die 70 000 Besucher im Stadion gerettet.

Das Stück ist auf vielen Bühnen zu sehen. Immer geht es um ein moralisches Dilemma, über das das Publikum zu urteilen hat. In dem mehr als zwei Stunden langen Drama kommen sich die Zuschauer wie in einer echten Gerichtsverhandlung vor. Die Anklage wird verlesen, Zeugen werden vernommen und Plädoyers gehalten. Paragrafen zitiert, militärisches Fachvokabular und moralische Fragen werden erörtert. Als promovierter Jurist bringt Scherf dafür gute Voraussetzungen mit. In seiner Rolle agiert er manchmal jedoch etwas hölzern, der Text klingt zum Teil abgelesen. Doch das stört nicht weiter. Denn in dem Stück steht der Inhalt im Vordergrund und nicht großes Theater.

Und der Angeklagte? Am Ende der Vorstellung stimmt die Mehrheit der Zuschauer für Freispruch – und ist damit auf einer Linie mit den anderen Aufführungen. Auch diese endeten bisher meistens mit einem Freispruch.

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