Worms Blutlachen und rollende Köpfe

Vinzenz Kiefer als Siegfried und Cosma Shiva Hagen als Kriemhild in Wedels "Nibelungen". Foto: dpa
Vinzenz Kiefer als Siegfried und Cosma Shiva Hagen als Kriemhild in Wedels "Nibelungen". Foto: dpa
Worms / SANDRA SCHIPP, DPA 08.07.2013
"Die Nibelungen" einmal anders. Dieter Wedel zeigt Friedrich Hebbels Drama vor dem Wormser Dom als opulentes Fantasy-Märchen.

Siegfried als dauergrinsender Einfaltspinsel, Brunhild als Domina, Gunther als ihr Bondage-Opfer - so hat man "Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel vermutlich noch nicht gesehen. Dieter Wedel, der Intendant der Wormser Nibelungenfestspiele, inszeniert das Helden-Epos als opulentes, modernes Fantasy-Spektakel mit Fechtszenen, Feuer-Effekten und prächtigen Kostümen. Dem Publikum gefällts: Bei der Premiere vor dem Wormser Dom gab es viel Applaus für "Hebbels Nibelungen - Born To Die".

Wedel macht aus dem Bühnenklassiker mit viel Prominenz aus Film und Fernsehen ein düsteres Fantasy-Märchen und setzt dabei neue Akzente. Siegfried (Vinzenz Kiefer) etwa ist nicht der übliche strahlende Held, sondern ein einfältiger Sonnyboy mit Superkräften. Gunther (Bernd Michael Lade) und Hagen (Lars Rudolph) kommen als spätpubertierende Rüpel daher.

Kathrin von Steinburg spielt Brunhild als moderne Zicke, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzt und letztlich an ihrem eigenen Ehrgeiz zerbricht. Und Cosma Shiva Hagen als Kriemhild verwandelt sich im Lauf des Abends von einer kichernden Barbie in eine kreischende Rachegöttin.

Der Wormser Dom als Originalschauplatz der Nibelungen gibt die perfekte Kulisse ab und kommt an einigen Stellen selbst ganz groß raus. So wirken Filmeinspielungen an der Außenmauer des Doms wie ein Schlüsselloch und es entsteht die Illusion, man könne direkt hineinschauen. Das Bühnenbild wirkt dagegen zurückhaltend, fast minimalistisch. Nackte Erde, karge Holzbauten und ein Lagerfeuer passen gut zum mittelalterlichen Plot, und die Wirkung wird von gregorianischen Gesängen und Glockengeläut noch verstärkt.

Die visuellen Anklänge an aktuelle Fantasy-Filme und -Serien sind offensichtlich. Das sei durchaus so gewollt, sagt Wedel. Schließlich bedienten sich auch die Fantasy-Filme beim Nibelungenlied.

Es gibt mystische Momente - etwa wenn Brunhild in Isenland ihren ersten großen Auftritt hat. Und natürlich kommt auch die Komik nicht zu kurz, wenn Hagen weinselig "Heute haun wir auf die Pauke" grölt, Volker (Markus Majowski) in einem Erdloch stecken bleibt oder der in Ketten gelegte Gunther Brunhild Blümchen pflückt. Doch es überwiegen die düsteren Töne: Blut fließt, Köpfe rollen - bis hin zur martialisch wirkenden Schlussszene.

Ein Happy End gibt es natürlich nicht, obwohl Wedel zwischendurch das Gefühl vermittelt, dass es durchaus hätte anders ausgehen können.

Er zeigt für einen kurzen Moment, dass Siegfried und Brunhild vielleicht doch ein glückliches Paar hätten werden können. Dass allen das Glück zu Füßen lag und sie nur hätten zugreifen müssen, statt darauf herumzutrampeln.

Info Die Tragödie ist bis zum 21. Juli insgesamt 16 Mal auf der Freiluftbühne vor dem Kaiserdom in Worms zu sehen.

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