Stuttgart / Axel Habermehl  Uhr

Baden-Württembergs Bibliotheken wünschen sich mehr Unterstützung von der Landesregierung. „Wir brauchen ein Bündnis für Bibliotheken und eine landesweite Strategie für ihre Weiterentwicklung“, sagte Frank Mentrup, Präsident des Deutschen Bibliotheksverbands (DBV) und Karlsruher Oberbürgermeister, gestern in Stuttgart. Anlässlich des „Tags der Bibliotheken“ legte er einen Forderungskatalog des DBV-Landesverbands vor. Die öffentlichen Bibliotheken der Kommunen wie auch die wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes benötigten „politische, strategische und finanzielle Unterstützung“, heißt es darin. Basis des Papiers seien drei wissenschaftliche Gutachten.

Eine konkrete finanzielle Forderung erhob Mentrup nicht. „Wir wollen nicht eine einmalige Summe aus einem Fördertopf, sondern ein Bündnis“, betonte er. Ziele seien der Aus- und Neubau vor Ort, eine klare Abstimmung der Landesregierung, welches Ministerium für Bibliotheken zuständig ist, und die Schaffung hauptamtlicher Strukturen, um die Interessen der Bibliotheken landesweit gebündelt zu vertreten. Auch solle das Land die Bibliotheken in seine Digitalisierungsstrategie aufnehmen.

Wandel durch Digitalisierung

Die Häuser seien Bildungsorte, Anlauf- und Treffpunkte für Bürger aller Altersstufen und Schichten. Gleichwohl seien sie unterfinanziert, der Aus- und Neubau stagniere. „Es gibt ganz viele weiße Flecken, überwiegend im ländlichen Raum“, sagte Mentrup mit Blick auf Orte, in denen es keine, kleine oder nur weit entfernte Bibliotheken gebe. „Mit gleichwertigen Lebensverhältnissen hat das nichts zu tun.“

Auch in vorhandene Bibliotheken müsse mehr investiert werden. Diese entwickelten sich rapide weiter. „Gerade findet ein totaler Rollenwechsel statt“, sagte Thomas Stierle, Direktor der Stadtbibliothek Ludwigsburg. Längst seien Bibliotheken nicht mehr ausschließlich stille Lese- und Lernorte. Sie dienten heute zu Begegnung, Austausch und Kommunikation, auch fänden viele Veranstaltungen statt.

Laut Verband haben die Südwest-Bibliotheken rund 35 Millionen Nutzer pro Jahr. Das Statistische Landesamt meldete, dass die Entleihungen von Printmedien zuletzt um 4 Prozent sank, während die digitalen Entleihungen um knapp 25 Prozent stiegen.

Info Die Stadtbücherei in Frankfurt ist für ihre Schulbibliotheksarbeit als „Bibliothek des Jahres 2018“ ausgezeichnet worden. Der Preis des Deutschen Bibliotheksverbandes und der Deutschen Telekom Stiftung ist mit 20 000 Euro dotiert.