In der Ecke poltert eine glänzende rote Kiste auf raumhohen schwarzen Stelzenbeinen vor sich hin. An der Wand streicht ein Scheibenwischer über zartpelzig weißes Kunstfell. Unauffällig kreisen wie von Zauberhand bewegt Kameralinsenfilter hinter einem Bilderrahmen. Gegenüber bewegen sich Hans Schorks zauberhafte künstliche Sternschnuppen hinter schwarzem Acrylglas. Dazwischen ruhen auf Podesten penibel ausgelotete Metallgebilde, deren Geheimnis erst die Berührung offenbart, während sie für den physikalischen Laien endlos faszinierte Fragen aufwerfen.

In Privatsammlerkreisen mag kinetische Kunst noch immer ein Nischendasein fristen, in Museen und Galerien aber macht gerade diese bewegte, bewegende Kunst am meisten Spaß. Auch bei Tobias Schrade, der im Ulmer Fischerviertel mit  „Kunst bewegt – 8 Positionen kinetischer Kunst“ neben in der Region bestens bekannten Größen wie Hans Schork mit seinen sich kreuzenden Lichtpunkten, Björn Schuelke mit Solar-Mini-Spaceships und Blasebalg-Tröte, Martin Willing mit Metallwunderkugeln und -kuben sowie den diese Schau kuratierenden Siegfried Kreitner mit behutsam im Atemrhythmus sich rührenden Stelen auch Positionen junger Künstler zeigt: Julius Stahl, Sebastian Hempel, Angelika Huber, Anne Pfeifer & Bernhard Kreutzer. Die können irritieren wie Hörl-Schülerin Hubers Arbeiten der „In Motion“-­Serie aus ausgedienten Abflugtafelelementen, die einer Geldzählmaschine gleich unentrinnbar vor sich hin rasseln. Viel öfter aber versetzen sie verhalten in Staunen wie Stahls visualisiertes Sinuswellendröhnen oder sind frech und witzig wie die Streichel-Installation „Liebe“ und der rote Poltergeist des auch schon im Karlsruher ZKM vertretenen Duos Pfeifer & Kreutzer.

Info „Kunst bewegt“ bis 9. März in der Galerie Tobias Schrade, Auf der Insel 2, Ulm, geöffnet: Di-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr.