Weltkulturerbe Besucher stimmen über Palmyra ab

Konstanz / Petra Walheim 07.07.2017

54 der 1052 Unesco-­Welterbestätten gelten als akut gefährdet. Welche auf die Rote Liste gesetzt werden, das berät das Unesco-Komitee in Krakau. Möglicherweise landen die sechs Stätten in Syrien auf der Liste. Dazu gehören Aleppo, Damaskus und die Wüstenstadt Palmyra. Die Terrormiliz Daes, ein Teil des Islamischen Staats (IS), hat die meisten der antiken Ruinen der Wüstenstadt im Sommer 2015 gesprengt. Das Gebiet ist wieder in syrischer Hand, und es stellt sich die Frage, ob Palmyra wieder aufgebaut werden soll.

Mit dieser Frage sehen sich auch die Besucher der Ausstellung „Rebuild Palmyra?“ im Bildungsturm in Konstanz konfrontiert. Sie sind aufgerufen, sich auf dem Gang durch die Ausstellung eine Meinung zu bilden und die Frage am Ende der Ausstellung tatsächlich zu beantworten.

Der Grabturm bröckelt

Zu welcher Entscheidung sie im dritten Stock des Bildungsturms gekommen sind, zeichnet sich im Erdgeschoss ab. Dort steht eine Stele, in der sich das Hologramm des ehemals größten palmyrischen Grabturms Elahbel dreht. Je nach Antwort, die die Besucher geben, zerbröselt dieser Grabturm, oder er wächst.

Rund um diese Stele hängen etwa 150 Zeitungsartikel zu den Zerstörungen in Palmyra von der Decke. „Sie stammen aus der Zeit von 2015 bis jetzt“, sagt Simon Neßler, einer der Studierenden, die diese Ausstellung gestaltet haben. Es ist ein Kooperationsprojekt der Uni Konstanz mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). Es ist außerdem ein interdisziplinäres Projekt.

Auf Ebene zwei erwartet den Besucher ein Zeitstrahl. Er beginnt im 3. Jahrtausend vor Christus, wird in Blütezeiten Palmyras weit und verengt sich in schlechten Zeiten. Ein interaktiver Tisch lädt zu einer Zeitreise ein. Mit Reglern können die Besucher die Wüstenstadt wachsen und ihre sieben bedeutendsten Gebäude errichten lassen. Eine Wandtafel erklärt, warum Palmyra bedeutend wurde. Die Stadt kam durch den Fernhandel mit China, Indien und Afrika zu Reichtum.

Auf der dritten Ebene können die sieben Gebäude mit Hilfe von Tablets aus Ruinen wieder erstehen. Wer sich eines der Ferngläser vor die Augen hält, steht in Palmyra, wie es 2010 war, und er kann sich auf einen virtuellen Rundgang machen. Im nächsten Stock sollte die Entscheidung fallen. Doch auch dort erhalten die Besucher Entscheidungshilfen.

Info Die Ausstellung ist bis 17. September im Bildungsturm in Konstanz zu sehen: Di bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa und So 10 bis 17 Uhr.

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