Konzert Berührend: Ólafur Arnalds in Ludwigsburg

Ólafur Arnalds punktet auch als Typ.
Ólafur Arnalds punktet auch als Typ. © Foto: Udo Eberl
Ludwigsburg / Udo Eberl 10.10.2018

Der Isländer Ólafur Arnalds ist einer der großen Namen der so genannten Neoklassik, Nils Frahm ist sein Kumpel. Erfolgreiche TV-Serien wie „Broadchurch“ werden ebenso mit seiner Musik unterfüttert wie Kinofilme oder Diashows über die Naturwunder Islands. Mit „Re:Member“ hat er im August ein neues Album veröffentlicht, auf dem Reproduktionsklaviere eine tragende Rolle spielen – allerdings ohne die Notenrolle des selbstspielenden Instruments. Zwei Jahre tüftelte er mit einem Software-Programmierer an einer mechanisch-elektronischen Variante. Spannend, denn die vom Musiker über ein Keyboard angesteuerten Instrumente entwickeln live zumindest ein kleines Eigenleben, klingen nie gleich.

Das Publikum in der Londoner Royal Albert Hall erlebte zuletzt trotz derselben Setlist ein anderes Konzert als das in Hamburgs Elbphilharmonie. Die 900 Besucher in „Ludwigsburrrrg“ sowieso, denn die Technik gab beim Gastspiel im Forum kurzzeitig den Geist auf. Arnalds, auf der Bühne das Gegenteil von introvertiert, spielte am Flügel völlig entspannt solo weiter, berührend und intensiv, mitten hinein ins Herz der Stille. Zuvor, wie auch nach dieser Zwangsreduktion, hatte sich ein Streichquartett hinzugesellt, und bisweilen sorgte auch ein exzellenter Schlagwerker für dezenten Schub.

Die Wortkargheit von Freund Frahm ist Arnalds fremd. Smarte Ansagen, nette Stories – er punktet auch als Typ. Mit seiner Musik sowieso. In etlichen Melodien findet man die Nähe zur isländischen Band Sigur Rós, die aus Melancholie Licht wachsen lassen kann. Dies gelingt Arnalds mit kleinen, hingetupften Stücken am stark gedämpften Klavier genauso wie in seiner kammermusikalischen Lyrik, die in feines Licht gehüllt, perfekt aufbereitet ist. Verdichtungen und dynamische Zuspitzungen, bisweilen auch elektronische Beigaben mit bebenden Bässen und rhythmisches Forcieren, dann wieder absolute Verinnerlichung. „Re:Member“ – man wird sich an diesen Abend erinnern.

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