"Wenn Shakespeare der größte Dichter und Minetti der größte Schauspieler, dann ist Unseld der größte Verleger." So begann Thomas Bernhard 1984 sein "Unseld" überschriebenes Manuskript. Mit der Lesung des Briefwechsels zwischen Bernhard und Unseld wurde die Stimme des großen deutschen Verlegers im Rahmen des Festivals "Verstörungen - Ein Fest für Thomas Bernhard" wieder zum Leben erweckt. Anlass: Unselds zehnter Todestag am 26. Oktober.

Goldegg in Österreich war vier Tage lang Schauplatz einer Begegnung von Zeitzeugen, Schriftstellern und Schauspielern. Unter der Leitung von Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp-Verlags, arbeiteten sie Bernhards literarische Bedeutung heraus. Neben einem Gespräch mit Bernhards Bruder Peter Fabjan standen Lesungen auf dem Programm des außerordentlich gut besuchten Festivals.

Eine kluge Auswahl aus der 1961 beginnenden Korrespondenz zwischen Bernhard und dem gebürtigen Ulmer Unseld machte daraus ein spannungsreiches Kammerspiel über die 28 Jahre andauernde Verleger-Autor-Beziehung. Ben Becker stellte als Unseld heraus, mit welch großem Geschick der Verleger der Genialität, aber auch den Marotten und Animositäten seines Schützlings begegnete und sie zugleich zu lenken und beschwichtigen wusste.

Unseld, der vor seiner Zeit als Leiter des Suhrkamp-Verlags am 19. April 1947 seinen ersten Artikel für die Schwäbische Donau-Zeitung verfasst hatte, war sich seiner verlegerischen Macht genauso bewusst wie seiner Abhängigkeit vom Genie der Autoren. Im "Reisebericht Salzburg" vom Juli 1980 beschrieb er ein Treffen mit dem notorischen "Verstörer": "Wieder die Frage, was bin ich für Sie, was bin ich für den Verlag? Ich zeige ihm die Abrechnung, weil ich weiß, nur Geldziffern überzeugen ihn."

Der österreichische Burgschauspieler Nicholas Ofczarek machte als Thomas Bernhard deutlich, dass der stets gleichzeitig Schriftsteller und eminenter "Theatermensch" war. Beide fassten ihre Briefe ab im Wissen, dass die einst der Nachwelt übergeben würden. Die Mischung aus Weltgewandtheit und Humor, Eitelkeiten und Hass-Liebe war ein Höhepunkt des Festivals.

Wie emotional die Beziehung sich bis zum Ende gestaltete, zeigt selbst noch der letzte Brief, den Bernhard im November 1988 an Unseld schrieb: "Wenn Sie, wie Ihr Telegramm lautet, ,nicht mehr können, dann streichen Sie mich aus Ihrem Verlag und Ihrem Gedächtnis." Doch vor Bernhards Tod im Februar 1989 trafen sich die beiden noch einmal und versöhnten sich.